Full text: Oekonomik der Transformationsperiode

Grundproblem der theoretischen Oekonomie. Das Resultat der 
Betrachtung des ganzen kapitalistischen Systems unter der Be 
dingung seines Gleichgewichtes bedeutet die theoretische Oeko 
nomie als wissenschaftliches System. 
Jedes Kind „weiß, daß die den verschiedenen Bedürfnis 
massen entsprechenden Massen von Produkten verschiedene und 
quantitativ bestimmte Massen der gesellschaftlichen Gesamtarbeit 
erheischen. Daß diese Notwendigkeit der Verteilung der gesell 
schaftlichen Arbeit in bestimmten Proportionen durchaus nicht 
durch die bestimmte Form der gesellschaftlichen Produktion auf 
gehoben wird, sondern nur ihre Erscheinungsweise ändern kann, 
ist seif evident . . . Und die Form, worin sich diese proportionale 
Verteilung der Arbeit durchsetzt, in einem Gcsellschaftszustand, 
worin der Zusammenhang der gesellschaftlichen Arbeit sich als 
Privataustausch der individuellen Arbeitsprodukte geltend macht, 
ist eben der Tauschwert dieser Produkte.“*) 
So kurz und bündig ist hier die Art der Lösung des Grund 
problems, des Problems des Wertes ausgedrückt. 
Betrachten wir die ganze Konstruktion des „Kapitals“ von 
diesem Standpunkt aus, so sehen wir, daß die Analyse mit dem 
festen stabilen Gleichgewichtssystem anfängt. Nach und nach 
werden kompliziertere Momente eingefügt. Das System gerät ins 
Schwanken, wird beweglich. Diese Schwankungen verlieren je 
doch ihren gesetzmäßigen Charakter nicht, und ungeachtet der 
schroffsten Gleichgewichtsstörungen (Krisen) wird das System 
als Ganzes erhalten. Durch die Störung des Gleichgewichtes 
tritt ein neues Gleichgewicht, sozusagen höherer Ordnung ein. 
Erst nachdem man die Gesetze des Gleichgewichtes erkannt hat, 
kann man weiter gehen und die Frage nach den Schwankungen 
des Systems aufwerfen. Die Krisen selbst werden betrachtet 
nicht als Aufhebung des Gleichgewichts, sondern als seine 
’) Briefe an Kugelmann, 1. c„ S. 222.
	        
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