Full text: Theoretische Sozialökonomie

$ 30. Die Preisbildung der Bodennutzung. Z93 
stimmten Menge Arbeit bezeichnen. Wir können auch allgemeiner, unter 
der Voraussetzung, daß die Preise der Kapitalnutzung und der Arbeit, 
also Zins und Arbeitslohn, konstant bleiben, als Einheit des Aufwands 
von Kapital und Arbeit eine bestimmte zum Kauf der Mitwirkung dieser 
Produktionsfaktoren verwendete Summe, sagen wir 100 Mark, be- 
zeichnen. 
Denken wir uns nun, daß auf einem gegebenen Stück Boden solche 
Einheiten von Kapital und Arbeit nacheinander zur Anwendung kommen. 
Wahrscheinlich werden wohl dann in den entsprechenden Mehr- 
erträgen in der Praxis gewisse Unregelmäßigkeiten hervortreten, im 
großen werden aber diese Mehrerträge eine zunächst aufsteigende, dann 
aber allmählich sinkende Kurve zeigen. Im Anfang, wo die Bearbeitung 
des Bodens noch vollständig ungenügend ist, wird nämlich eine neue 
Einheit meistens einen größeren Mehrertrag als die vorhergehenden 
liefern. Früher oder später kommen wir aber offenbar zu einem Punkt, 
wo der der letzten Einheit von Kapital und Arbeit entsprechende Mehr- 
ertrag sein Maximum erreicht, um danach asymptotisch gegen Null 
zu sinken. Dabei steigt aber noch der Gesamtertrag pro Einheit des 
Aufwandes von Kapital und Arbeit gerechnet. Erst später gelangen wir 
zu einem Punkt, wo dieser Ertrag pro Einheit des Aufwandes sein 
Maximum erreicht und von wo an auch er asymptotisch gegen Null] 
sinkt. Die Notwendigkeit dieses Verhältnisses, die den wahren Inhalt 
des Gesetzes des abnehmenden Bodenertrags bildet, leuchtet ein, wenn 
wir bedenken, daß eine entgegengesetzte Voraussetzung die Mög- 
lichkeit einer beliebig großen Ernte auf einer gegebenen Fläche be- 
deutet. Der zuletzt angegebene Punkt bezeichnet die Grenze, bis zu 
der Kapital und Arbeit auf einer gegebenen Bodenfläche wirtschaft- 
licherweise verwendet werden kann, wenn keine Bodenrente zu zahlen 
ist. Denn bevor die Grenze erreicht ist, können die Produktionskosten 
pro Einheit des Produkts durch Anwendung von mehr Kapital und 
Arbeit auf dem gegebenen Boden vermindert werden. Nach Über- 
schreitung der Grenze würde der Aufwand von Kapital und Arbeit auf 
neuem Boden gleicher Qualität mehr lohnend sein, da doch die Nutzung 
dieses Bodens nichts kostet und also die schon erreichten Produktions- 
kosten pro Einheit des Produkts nicht überschritten zu werden brauchen. 
Insofern haben wir den Ertrag nur in seinem Zusammenhang mit 
dem Aufwand von Kapital und Arbeit betrachtet. Wir können aber auch 
den Ertrag auf die Gesamtkosten, also auf die Summe des Aufwandes 
von Kapital und Arbeit und der Bodenrente beziehen. Auch dieser Er- 
trag pro Einheit der Gesamtkosten hat natürlich ein Maximum, wird 
bei immer steigendem Aufwand von Kapital und Arbeit von einem ge- 
wissen Punkte an abnehmen. Dieser Punkt liegt aber entfernter als der 
Punkt, an dem der auf die Kapital- und Arbeitskosten allein bezogene 
Ertrag sein Maximum erreicht. Denn wenn auch von diesem Punkt 
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