Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

34

II.  HÄUPTTEIL.

Kapital  im  Ausland,  dessen  Zinsen  es  uns  ermöglichten
mehr  Waren  aus  dem  Ausland  einzuführen,  als  wir  nach
dort  exportierten,  ist  liquidiert,  unsere  Kolonien  sind  uns
geraubt.  Alle  Waffen,  mit  denen  wir  vor  dem  Kriege
unserer  Industrie  die  Bahn  für  ihren  Absatz  auf  den  Weltmarkt ­
  freihielten,  sind  uns  genommen.  So  bliebe  nur  zu
hoffen,  daß  diese  Bahn  frei  bliebe,  weil  die  anderen  Völker
ein  solches  Bedürfnis  nach  unseren  Fabrikaten  haben,
daß  sie  von  sich  aus  unsere  Waren  in  ihre  Gebiete  leiten.
Auch  daran  ist  wohl  kaum  zu  denken.  Abgesehen  davon,
daß  unsere  Peindstaaten  —  und  dazu  gehört  ja  fast  die
ganze  Welt  —  während  des  Krieges  alle  bis  zu  einem  gewissen ­
  Grad  eine  Nationalisierung  ihrer  Volkswirtschaft
erstrebten,  um  sich  wenigstens  von  der  Abhängigkeit  von
Deutschland  freizumachen,  ist  zu  bedenken,  daß  auch  unsere
Gegner  durch  den  Krieg  ärmer  geworden  sind.  Der  Krieg
hat  überall  ungeheure  Werte  zerstört,  und  die  Verarmung
aller  Länder  muß  sich  auch  in  ihrer  Kaufkraft  bemerkbar
machen.  Auch  sie  können  manche  Bedürfnisse  nicht  mehr
befriedigen,  die  sie  vor  dem  Kriege  aus  Exportartikeln
unserer  Industrie  befriedigten.  Andererseits  versuchen  sie
gewiß,  die  Lücken,  die  der  Krieg  in  ihrer  Versorgung  gerissen ­
  hat,  zu  füllen.  Aber  diesen  Bedarf  werden  sie
möglichst  durch  ihre  eigene  Industrie  zu  decken  suchen.
Auch  das  Valutaproblem  muß  an  dieser  Stelle  erwähnt
werden.  Unsere  Valuta,  d.  h.  der  Wert  unserer  einheimischen ­
  Zahlungsmittel  gemessen  am  Wert  der  Zahlungsmittel ­
  ausländischer  Staaten  ist  in  ungekannter  Weise
ungünstig  für  uns.  Die  völlige  Zerrüttung  unserer  Geldverfassung, ­
  die  aus  einer  Goldwährung  zur  Papierwährung
geworden  ist,  und  die  trostlose  Lage  unserer  wirtschaftlichen ­
  und  politischen  Verhältnisse,  zu  denen  niemand  mehr
rechtes  Vertrauen  haben  kann,  prägen  sich  darin  aus,  wenn
die  deutsche  Mark  im  Ausland  heute  zum  Teil  nur  noch
den  zehnten  bis  zwanzigsten  Teil  ihres  früheren  Wertes
vertritt.  Es  würde  zu  weit  führen,  den  schädigenden  Einfluß ­
  unserer  schlechten  Valuta  auf  unseren  Export  darzulegen. ­
  Nur  so  viel  sei  gesagt,  daß  anfangs,  als  unsere  Preise
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.