Full text : Die Eingliederung der vertriebenen Elsass-Lothringer in das deutsche Wirtschaftsleben im Augenblick seines Tiefstandes

WÄNDBRUNGSVOEGANG  ELS.-LOTHE,.  BBVÖLKERUNGSGRDPPEN.  37
losen  im  Februar  1919  z.  B.,  die  sich  im  ganzen  Reich  auf
1100  000  beliefen,  waren  entlassene  Soldaten,  die  noch
keine  Stellung  gefunden  hatten,  während  die  annähernd
400000  Arbeitslosen  im  Juni  1920  bereits  in  Betriebe  eingestellt ­
  gewesen  sind  und  nur  wegen  Mangel  an  Aufträgen
der  sie  beschäftigenden  Industrien  wieder  entlassen  worden
sind.  So  ist  ein  Vergleich  dieser  Zahlen  unmöglich.  Seit
April  dieses  Jahres  war  eine  Zunahme  der  Arbeitslosigkeit
zu  vermerken.  Bei  den  Arbeiterfachverbänden  kamen  auf
100  Mitglieder  im  April  1,9,  im  Mai  2,7,  im  Juli  4  Arbeitslose. ­
  Ob  es  sich  hierbei  nur  um  eine  Krise  handelt,  wie  das
Reichsarbeitsblatt  Nr.  7,  Jahrg.  '1920,  schreibt,  oder  nicht
vielmehr  um  den  Beginn  des  Rückganges  unserer  Industrie,
sei  dahingestellt.  Die  Annahme  des  Reichsarbeitsministeriums ­
  scheint  dadurch  bestätigt  zu  werden,  daß  seit  September ­
  1920  die  Arbeitslosenziffer  wieder  zurückgegangen
ist.  Doch  dabei  handelt  es  sich  nun  wirklich  um  eine  vorübergehende ­
  Erscheinung,  die  nicht  als  Symptom  für  die
weitere  Entwicklung  des  industriellen  Arbeitsmarktes  gewertet ­
  werden  kann.  Der  neuerliche  Sturz  unserer  Valuta
hat  unserer  Industrie  größere  ausländische  Aufträge  eingebracht. ­
  Ein  zweiter  Ausverkauf  Deutschlands  —  wenn
auch  infolge  der  staatlichen  Ausfuhrkontrolle  und  Preiskontrolle ­
  stark  beschränkt  —  in  ähnlicher  Form  wie  im
vorigen  Winter  wird  hierdurch  herbeigeführt.  Es  handelt
sich  also  um  eine  Krankheitserscheinung  unserer  Wirtschaft, ­
  auf  Grund  deren  eine  stärkere  Beschäftigung  unserer
Arbeiter  erfolgen  kann.  Als  Krankheitserscheinung  müssen
wir  sie  zu  überwinden  suchen,  und  so  geht  es  nicht  an,  auf
dieser  Basis  unsere  weitere  Entwicklung  zu  fundieren  und
zu  beurteilen.
Ein  Teil  unserer  Bevölkerung  wird  brotlos  durch  den
Rückgang  unserer  Industrie,  durch  den  vernichtenden
Schlag,  den  unsere  Gegner  vor  allem  unserer  Exportindustrie ­
  versetzt  haben.  In  der  gleichen  Richtung  wirkt
die  Wegnahme  weiter  Strecken  fruchtbarsten  Ackerbodens
im  Osten  unseres  Vaterlandes  durch  die  Polen.  Der  schwach
besiedelte  Osten,  die  Kornkammer  für  unsere  Großstädte,
            
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