Das Gebilde der Marktwirtschaft.
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satzes abhängig ist, sondern auch aus anderen Gründen (Notgroschen, Kapitalansammlung)
erfolgen kann. Schließlich spielt für den, der sich Kapital leihen
will, die eigene Kreditwürdigkeit eine Rolle. Hinzu kommt, daß — wie wir gesehen
haben — bei zunehmender Gesamtwirtschaft ein Sparen ohnehin erforderlich
ist, wenn sich die Güterherstellung der steigernden Nachfrage anpassen soll.
Den Ursachen, Wirkungen und Folgeerscheinungen der Preisbildung und der
-Veränderungen nachzugehen, macht einen wesentlichen Teil der Lehre aus, die
sich mit der Markt- (Tausch-) Wirtschaft beschäftigt (Volkswirtschaftslehre). Wir
wollen nicht weiter auf die Lehren vom Preis eingehen, sondern im Zuge unserer
Darstellung — noch einmal — hervorheben, daß die Preisbildung das Mittel darstellt,
durch das in der Marktwirtschaft die Bedürfnisbefriedigung und die Güterherstellung
in Übereinstimmung gebracht wird. Die Voraussetzung ist freilich,
daß sowohl der Verbraucher in der Verfügung über sein Geldeinkommen frei ist,
d. h. sich in seinen Ausgaben den Preisen anpassen kann, und ebenso die Wirtschaftsbetriebe
in der Herstellung von Gütern entsprechend den ihnen entstehenden
Kosten verfahren können. (Cassel: Wirtschaftliches Prinzip in der Tauschwirtschaft.)
3. Der Wirtschaftsliberalismus. Wenn so klar gestellt worden ist, daß in der
Marktwirtschaft Preisbildung und Kosten den Verbrauch und die Herstellung der
Güter regeln, so ist noch nichts darüber gesagt, wie die Menschen, d. h. die Verbraucher
und die Hersteller veranlaßt werden können, daß sie nun auch nach
diesen G rundsätzen handeln. Die Geschichte lehrt uns, daß es nicht nur verschiedene
Volkswirtschaften nach Art und Größe gegeben hat und noch gibt, sondern
auch die Verwirklichung der Tausch- und Marktwirtschaft in mannigfacher Weise
versucht worden ist. So hat es z. B. den Anschein, als ob im alten Ägypten der
Staat selbst die Verwirklichung in die Hand genommen habe, indem er sowohl die
Wirtschaft als auch die Preisbildung von sich aus gestaltet hat. Zu einem besonderen
System sind die Grundsätze, nach denen die Territorial- und Fürstenstaaten
im 17. und 18. Jahrhundert die Wirtschaft gestalten wollten, zusammengefaßt
worden: dem sog. Merkantilismus. Hier war es der Staat, der durch eigene
Wirtschaftsbetriebe, durch Förderung der privaten Wirtschaftsbetriebe wie durch
staatliche Wirtschaftspolitik die Gesamtwirtschaft nach dem Grundsatz des
größten Erfolges zu beeinflussen suchte.
Eine besondere Stellung nimmt der Liberalismus ein, der auf den Merkantilismus
folgte. Seine Grundidee ist, daß der beste Erfolg der Gesamtwirtschaft erreicht
wird, wenn der einzelne Mensch ganz frei ist und nach seinem eigenen
Vorteil handelt. Hierdurch werde ein selbsttätiger Vollzug der Preisbildung und
des Kostenprinzips im Sinne ihrer besonderen Aufgabe in der Marktwirtschaft
durohgeführt. Die Selbstregelung soll in folgender Weise vor sich gehen: Wenn
infolge erhöhter Nachfrage der Preis eines Gutes steigt, so bedeutet dies für die
Hersteller des Gutes einen höheren Gewinn; sie werden geneigt sein, die Möglichkeit
der Gewinnsteigerung durch vermehrte Herstellung dieses Gutes weiter auszunutzen;
gleichzeitig bildet der sich bietende Gewinn einen Anreiz, daß sich
weitere Hersteller finden, die gleichfalls Güter anbieten. Auf diese Weise wird
das Angebot verstärkt und dem Steigen des Preises Einhalt geboten. Auf der
anderen Seite bewirkt das Steigen des Preises eine Einschränkung der Nachfrage,
und der neue Preis wird in einer Höhe Zustandekommen, bei dem sich Angebot
und Nachfrage ausgleichen. Und dies alles, weil jeder der Beteiligten nur seinen
eigenen Vorteil wahrnimmt, also möglichst billig kaufen und möglichst teuer
verkaufen will.
Das gleiche spielt sich nach dieser Lehre ab, wenn der Preis für ein bestimmtes
Gut sinkt. Für die Hersteller vermindert sich die Gewinnmöglichkeit, ein Teil von