Das Problem der Wirtschaftsdemokratie
auf der Düsseldorfer Industrietagung 1929.
Von Dr. J. Herle,
Geschäftsführer des Reichsverbandes der Deutschen Industrie.
Der Leitgedanke für die neunte Mitgliederversammlung,
die der Reichsverband der Deutschen Industrie am 20, und
21. September in Düsseldorf abgehalten hat, bestand darin,
die wichtigsten Grundprobleme zu erörtern, von denen aus
an die wirtschaftspolitische Arbeit der nächsten Monate
und überhaupt der kommenden Jahre herangegangen wer-
den muß. Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat
bewußt darauf verzichtet, auf dieser Tagung schon mit
konkreten Forderungen zur deutschen Wirtschafts-, Finanz-
und Sozialpolitik an die Oeffentlichkeit hervorzutreten, da
der Zeitpunkt für eine solche Stellungnahme noch nicht ge-
kommen ist. Wohl aber hat er es für notwendig gehalten,
die Gedankenzänge und Grundauffassungen mit aller
Schärfe herauszuarbeiten, die die allgemeine Richtung für
die spätere Einzelarbeit weisen müssen.
Die Themen, die unter diesen Gesichtspunkten in
Düsseldorf behandelt worden sind, berühren nicht nur rein
wirtschaftliche Aufgaben, sondern sie greifen auch in das
Gebiet der großen geistigen und politischen Strömungen
hinein,
Das Gebiet der Wirtschaft ist heute weniger
als ie isoliert;
und es genügt nicht, die Erkenntnisse auf dem Wege der
rein wirtschaftlichen Beobachtung und des rein wirtschait-
lichen Denkens herauszuarbeiten. Es ist vielmehr notwen-
dig, über die materiell-wirtschaftlichen Tatbestände und
Erscheinungsformen hinauszugreifen und die großen
Probleme und Zielsetzungen der Wirtschaftspolitik in den
Gesamtkomplex des politischen, geistigen und kulturellen
Lebens der Nation einzugliedern. Diese Ausweitung des
Gesichtskreises gilt, im Grunde genommen, für sämtliche
auf der Düsseldorfer Tagung behandelten Probleme. Mit
besonderer Deutlichkeit ist sie aber in Erscheinung getreten
bei den Referaten von Geheimrat Kastl über „Fragen der
internationalen Wirtschaftspolitik“ und von Dr. Weber
über „Unternehmertum und Kapitalismus‘, Während das
Referat von Geheimrat Kastl, rein geographisch gesehen,