Full text: Der Weltverkehr und seine Mittel

Entwickelung durch Spitzkehren. 
115 
Wir kommen nunmehr zu dem zweiten Verfahren der künstlichen Linienentwickelnng: 
Anlage von Serpentinen. Die Poststraßen in den Gebirgsländern sind vielfach in 
zahlreichen Windungen von der Höhe in das 
anschließende Thal hinabgeführt. Berühmt ist 
der gewundene Abstieg der alten Gotthardstraße 
in das Val Tremola, ferner die von Napoleon 
angelegte Zaberner Steige bei Zabern im Elsaß, 
die ihren Namen von den vielen Windungs 
stufen erhalten hat, mittels derer die breite 
Heerstraße die Höhe am „Karlssprung" über 
windet. Der neben dem Rhonegletscher durchgeführte Abstieg der alten Furkastraße, 
ebenso der benachbarte der neuen Grimselstraße in das Wallis wird durch sieben zusammen- 
Einfache Kpitzketzrr. 
so. Doppelte Spitzkehre der Eisenbahiitiine Taug«-Muhesa. 
Nach dem „Centratblolt der Bauveiwaltmig". 
hängende Serpentinen bewerkstelligt, während die neue, vom Chamonix nach dem Wallis 
führende Fahrstraße unweit Triquent in etwa 30, zwischen Salvan und Vernayaz 
sogar in 50 Windungen sich senkt. In solchen Zickzacklinien kann man auch eine Bahn 
linie an einem Hange hinaufführen. Die erforderlichen Richtungsänderungeu an den 
Wendepunkten werden hierbei entweder durch Bogen oder durch Winkelspitzen bewirkt, 
und demgemäß unterscheidet man die Schleife und die Spitzkehre. Das letztere Ver 
fahren ist das einfachere und billigere, da sich die Kurven, namentlich bei den größeren 
Spurweiten, kaum ohne kostspielige Kunstbauten (Brückengerüste, Kehrtunnel u. s. w.) durch 
führen lassen. Die einfache Spitzkehre ist in Abb. 79 schematisch dargestellt. Gesetzt, 
es sei der Punkt a durch eine Reibungsbahn mit dem um 100 in höher und in der Wage 
rechten 1000 in entfernt liegenden Punkte b zu verbinden. Die unmittelbare Schienen 
straße würde dann die Steigung 100 °/ 00 (1 : 10) erhalten, also nicht angängig sein. 
Führen wir dagegen die Linie zunächst mit beispielsweise 40 °/ 00 (1: 25) nach einem sert- 
15*
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.