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Die Wirtschaftlichkeit.
Die Verrechnung baut sich auf den Ergebnissen der voraufgegangenen Nachrech
nung auf, berücksichtigt aber nach Möglichkeit schon die voraussichtlich ent
stehenden Kosten, so daß der Vergleich zwischen Vor- und Nachrechnung an
Unmittelbarkeit gewinnt. Natürlich muß bei diesem Vergleich beachtet werden,
daß die Vorrechnung mit aller Gründlichkeit durchdacht wird und vor allem bei
der Nachrechnung nicht unzulässigerweise Kosten aufgenommen sind, die nicht
hierher gehören (wie z. B. Kosten für den Eigenbedarf, Reparaturen u. a. m.).
Wenn die Nachrechnung endlich die Gegenüberstellung der Kosten mit dem
für das betreffende Erzeugnis erzielten Preis vornimmt, so ergeben sich die Be
ziehungen zum Markt: ob die Aufwendungen ihre Deckung in dem Preis gefunden
und einen Überschuß oder Unterschuß gebracht haben. Von hier aus entsteht
ein neuer Anreiz zur Nachprüfung der Kosten, um das Verhältnis zu den erzielten
Preisen möglichst günstig zu gestalten, d. h. die Kosten zu senken oder die Lei
stungen zu steigern. Die Kosten-Erlösrechnung stellt zugleich die Verbindung
zur Kapitalrechnung dar, die zeigt, ob im Verhältnis zum Gesamtkapital der (Um
satz-) Gewinn befriedigend ist oder nicht.
Doch ruft in diesen Rechnungen der jeweilige Beschäftigungsgrad manchmal unliebsame
und schwer zu überwindende Schwierigkeiten hervor. Mit dem Beschäftigungsgrad, seinem
Wesen und seiner Erkennung, sowie mit den durch ihn hervorgerufenen Fragen der Kosten-
gestaltung und der Preispolitik haben wir uns im zweiten Buch beschäftigt. Im Betriebe
tauchen die Fragen des Leerlaufs (und der erforderlichen Instandhaltungsarbeiten) sowie der
Überbeanspruchung mit ihren Rückwirkungen auf die Menschen, die Einrichtungen, den Raum
sowie auf die Qualität der Leistung und der Pünktlichkeit und Sicherheit des Betriebes auf.
Die Kostenrechnung wird durch die Überlegung berührt, inwieweit die aus Unter- oder Über
beschäftigung verbliebenen oder entstehenden Kosten in der Naoh-Kostenreohnung zu be
rücksichtigen sind. Soll man sie aus der Kostenrechnung für das einzelne Stück ausschalten
und als unmittelbare Betriebsverluste ansehen, oder ist es zweckmäßig, sie nach dem Schema
anteilsmäßig auf das Stück zu verrechnen und gegebenenfalls -— im Vergleich mit den Prei
sen — die Unterschiede festzustellen ? Jedenfalls ist es erforderlich, bei der Vor-Kostenrechmmg
auf die Einwirkungen des Beschäftigungsgrades Rücksicht zu nehmen, wenn man nicht auf
die Kontrollen durch die Nachrechnung verzichten will (Aufstellung verschiedener Ver
rechnungen, die die einzelnen Möglichkeiten des Beschäftigungsgrades berücksichtigen).
Eine Vervollkommnung der Wirtschaftlichkeitsrechnung stellt die sog. Stan
dardkostenrechnung dar. Sie wird, nach dem Schrifttum zu urteilen, in
Amerika viel verwendet und hat auch in Deutschland eine gewisse Verbreitung
erlangt. Ihr Wesen besteht darin, daß die Kosten, die unter gewöhnlichen Um
ständen für die Herstellung eines Stückes (einer bestimmten Menge) oder in einer
Kostenstelle entstehen, im voraus festgelegt und dem Betrieb vorgegeben werden.
Der Betrieb oder die Kostenstellen haben sich nach diesen Kosten zu richten,
d.h. bei gegebener Erzeugung ihre Höhe einzuhalten. Wie man sieht, handelt es
sich um eine Planung von Kosten, um eine Plankostenrechnung, die in den Bereich
des Wirtschaftsbetriebsplanes (Budget; vgl.V) fällt. (Unter Standardkosten ver
steht man in Deutschland meist etwas anderes, z.B.: die aus einer Bewertung
hervorgehenden Verrechnungspreise, s. oben.) Was erzielt werden soll, ist: der
Vergleich der vorgegebenen Kosten mit den tatsächlich entstandenen Kosten, um
aus den Ergebnissen, Unter- oder Überschreitungen, Schlüsse auf die Betriebs
gebarung zu ziehen. So gesehen, ist die Plankostenrechnung geeignet, die mehr
oder weniger umständliche, zeitraubende und hinsichtlich der Gemeinkosten doch
unsichere Vor- und Nachrechnung überflüssig zu machen (Hasenack).
Soll dieses Ziel erreicht werden, so sind eine Anzahl Voraussetzungen zu er
füllen. Zunächst muß die Standardkostenrechnung auf sorgfältigste Einzelberech
nung aufgebaut sein; sie erfordert also eine eingehende Einführungsarbeit. Es ist
ferner unerläßlich, daß nicht nur die Güte und Beschaffenheit der Roh- und Hilfs
stoffe sowie die Leistungsfähigkeit von Maschinen und Werkzeugen berücksichtigt