fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Zweite Stufe der kleindeutschen Lösung der Einheitsfrage. 511 
die demokratische Partei innerhalb des Landes selbst eine segens⸗ 
reiche Tätigkeit; eine Reform der Verfassung in gutem Sinne 
wurde im Jahre 1868 durchgeführt; eine Fülle von Ausführungs⸗ 
gesetzen sorgte für die Verbesserung der Schulen, des Gerichts⸗ 
vesens, der inneren Verwaltung. 
Nach außen aber fürchtete man den Nordbund und nicht 
minder den Ehrgeiz Bayerns. Am fühlbarsten machte sich 
dabei doch der Einfluß des Nordbundes, das heißt Preußens; 
und so zeigte man nach dieser Richtung am wenigsten freudige 
Stimmung. Das Schutz- und Trutzbündnis rief bei seiner 
Publikation im Jahre 1867 einen Sturm der Entrüstung her⸗ 
vor, und seine Wirkungen machten sich finanziell in der Tat 
von Jahr zu Jahr schlimmer bemerkbar: und so konnte sich die 
demokratische Partei noch im April 1869 mit Erfolg zugunsten 
eines Milizsystems nach schweizerischem Muster aussprechen. 
Gleichwohl war in Wuürttemberg, da unversöhnliche Gegen— 
sätze nicht vorlagen, am ehesten noch auf eine Wendung der 
allgemeinen Stimmung zugunsten einer deutschen Einheit unter 
preußischer Fuhrung zu hoffen. 
Viel weniger günstig lagen die Dinge in Bayern. Zwar 
war das Schutz⸗ und Trutzbündnis mit Preußen geschlossen, 
and die entsprechenden Kredite zur Umformung des Heeres 
waren bewilligt worden. Auch zeigten die größeren Städte, in 
denen die Mehrheit der protestantischen Bevölkerung saß, gemein⸗ 
deutsche Sympathien; vor allem galt das von denen der Pfalz. 
Aber es kamen in dem Bayern der sechziger Jahre immerhin 
nur 1600000 Protestanten auf 4700000 Einwohner, und die 
Katholiken, namentlich des platten Landes, unterstanden ganz 
dem Einfluß des Klerus. Was das aber bedeutete, hatten die 
Zollvereinswahlen gezeigt. 
Demgegenüber hatte das Ministerium Hohenlohe, liberal 
und Preußen zugänglich gesinnt, schweren Stand. Trotzdem 
nahm Hohenlohe, unter Zustimmung König Ludwigs II., sofort 
den Kampf gegen die Klerikalen auf. Am 28. September 1867 
hatte der Episkopat an den König eine Adresse gerichtet, in 
Ker die Leitung des Unterrichts für die Kirche reklamiert
	        
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