Full text : Wie Deutschland seine Schulden bezahlen kann!

einzelne  eine  Tonne  zu  beanspruchen.  Wenn  wir  aber  annehmen,
daß  sich  neben  diesen  hundert  Personen  zwei  Kapitalisten  befinden,
so  wird  die  Verteilung  ungleichmäßig  sein,  denn  diese  beiden  werden
vielleicht  jeder  für  sich  allein  zwei  Tonnen  beanspruchen.  Dann  verbleiben ­
  für  jeden  anderen  nur  9 ®/ioo  Tonnen,  gewiß  ein  Unrecht  vom
absoluten  Vergleichsstandpunkte  aus,  aber  nur  eine  ganz  unwesentliche
Verschlechterung  gegenüber  der  Verteilung  auf  kommunistischer  Grundlage. ­
  Hierbei  will  ich  vorläufig  nicht  einmal  die  berechtigte  Frage
stellen,  ob  in  einem  kommunistischen  Staate  nicht  an  die  Stelle  der
zwei  Kapitalisten  zwei  hohe  Beamte  treten  würden,  die  den  gleichen
erhöhten  Anspruch  aus  je  zwei  Tonnen  stellen  würden!
Bei  der  Beurteilung  des  Kapitalismus  dürfen  wir  vor  allem
eins  nicht  übersehen;  unbestritten  hat  er  doch  die  —  gute  oder  schlechte,
das  ist  verschieden  beantwortet  —  Eigenschaft,  die  Menschen  zu
immer  größeren  Produktionsleistungen  anzuspornen
Schlagen  wir  nun  den  Kapitalismus  nieder,  so  würde  auch  die  treibende
Kraft,  der  Ansporn  zur  Arbeit,  verschwinden.  Wenn  wir  dann  zu
unserem  obigen  Beispiel  zurückkehren,  müssen  wir  zugeben,  daß  wahrscheinlich ­
  nicht  hundert,  sondern  vielleicht  nur  achtzig  Tonnen  produziert ­
  würden,  und  dies  würde  für  jeden  eine  Verteilungsquote  von
8 /io  Tonnen  ergeben,  also  eine  wesentlich  ungünstigere  als  unter
kapitalistischer  Herrschaft.  Demgegenüber  behaupten  freilich  die
Kommunisten,  daß  unter  ihrer  Leitung  die  Produktion  nicht  abnehmen,
sondern  zunehmen  würde,  eine  Behauptung,  die  indes  durch  die
früheren  und  besonders  die  gegenwärtigen  Erfahrungen  nicht  die
geringste  Begründung  findet;  im  Gegenteil:  die  Praxis  erweist,  daß
es  umgekehrt  ist.  Wenn  übrigens  das  Hauptübel  des  Kapitalismus
darin  erblickt  werden  soll,  daß  er  sich  von  den  täglichen  Massenartikeln ­
  etwas  mehr  verschafft  als  den  Durchschnitt,  so  muß  gefragt
werden,  ob  in  dieser  Beziehung  viel  geändert  würde,  wenn  unsere
jetzigen  kapitalistischen  Wirtschaftsführer  durch  kommunistische  ersetzt
würden.  Ich  glaube  kaum;  denn  es  ist  ja  eine  allgemein  menschliche
Eigenschaft,  zuerst  für  den  eigenen  Magen  zu  sorgen.  Ich  habe
das  Beispiel  des  Wirtschaftskörpers  von  100  Personen  recht  grob
gewählt,  denn  in  Wirklichkeit  kamen  nie  zwei  Kapitalisten  auf  100
Arbeiter,  und  ferner  kann  man  annehmen,  daß  in  Friedenszeiten  der
Anspruch  des  einzelnen  Kapitalisten  auf  Lebensmittel  usw.  durchaus
nicht  doppelt  so  groß  war  als  der  aller  übrigen  Menschen.
            
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