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kapitalist. Wendet aber die Steuergesetzgebung diesen Grundsatz zu
stark an, so ist die unvermeidliche Folge, daß der Anreiz, das Inter
esse an der Kapitalsbildung erlahmt und daß die Intelligenz und
Energie sowie die wirtschaftlichen Fähigkeiten der Kapitalbildner
ins Ausland abwandern. Es sollte die allererste Aufgabe der Steuer
technik sein, möglichst einen Weg zu finden, der dieser ganz ver
ständlichen menschlichen Neigung nicht nur erfolgreich begegnet, sondern
in manchen Fällen sogar diesen oder jenen veranlassen könnte, sein
Vermögen größer anzugeben, als es in Wirklichkeit ist, oder seine
Angaben wenigstens nach oben abzurunden. Der Staat sollte seine
Mitglieder hinsichtlich der Steuerzahlung betrachten, wie ein guter
Geschäftsmann seine Kunden; es ist auf keinen Fall richtig, die
Steuerzensiten wie Verbrecher zu behandeln, die mit hohen Geld
strafen zu belegen sind.
Rationelle Steuern dürfen das Kapital, welches zum
Aufbau und Ausbau der Volkswirtschaft bestimmt ist, nicht
zu sehr angreifen, sie würden sonst das Gegenteil ihres Zieles
erreichen. Es würde dies dieselbe Wirkung haben für die Volks
wirtschaft, wie wenn man dem Körper das Blut entziehen wollte;
das arbeitende Kapital in der Volkswirtschaft ist in diesem Sinne
dem Blute des menschlichen Körpers vergleichbar.
d) Massenartikel und Luxusprodukte.
Ein weiteres Gebot steuertechnischer Gerechtigkeit ist möglichster
Ausgleich in den Hauptkonsumartikeln. Man inuß daher einen Unter
schied machen zwischen diesen — auch Massenartikel genannt — und
den Luxusprodukten. Das Primäre ist natürlich die Versorgung der
Volksmitglieder mit den Gegenständen des täglichen Bedarfs, erst in
zweiter Linie kommen die Luxusartikel, die ja zum Leben nicht un
bedingt nötig sind. Ein Hauptantrieb, Kapital zu bilden, mit
anderen Worten, eine Ursache des Kapitalismus ist nun durchaus
nicht die Sucht, sich in den Gegenständen des täglichen Bedarfs zu
versorgen, sondern, soweit es nicht einfach die Luft an der Geld
anhäufung ist, oder das natürliche Streben, für den eigenen Lebens
abend, für die Kinder, kurzum, für die Zukunft zu sorgen, liegt hier
der Wunsch vor, einen Anspruch auf die Luxusprodukte der
Volkswirtschaft zu haben. Es sind jene Dinge, die in so geringen
Mengen hergestellt werden, daß ihre kommunistische Verteilung auf