Full text : Über asiatische Wechselkurse

121

fortschreitende  günstige  Entwicklung  des  Exportgeschäfts,  dessen
Anwachsen  die  Einnahmen  der  chinesischen  Seezoll-Verwaltung  von
33,8  Millionen  Haikuan  Tael  auf  34,8  Millionen  steigerten.
Auch  im  folgenden  Jahre  1909  setzte  sich  die  Zunahme  der
chinesischen  Ausfuhr  fort;  namentlich  machten  sich  neue  Ausfuhrartikel ­
  bemerkbar,  wie  Erdnüsse  von  Tsingtau,  Soya-Bohnen  von  der
Mandschurei,  während  der  Umsatz  in  anderen  Artikeln,  z,  B,  Saaten
von  Hankow  immer  größeren  Umsatz  annahm.  Das  Importgeschäft
zeigte  dagegen  noch  keine  durchgreifende  Besserung;  für  einzelne
Märkte  hatte  sich  zwar  die  Lage  günstiger  gestaltet,  die  Vorräte  in
Manufakturwaren  hatten  etwas  normaleren  Umfang  angenommen,
aber  auf  anderen  Gebieten  stagnierte  das  Geschäft  noch  immer.
Das  Jahr  1910  brachte  endlich  auch  dem  chinesichen  Importgeschäft ­
  günstigere  Bedingungen,  Die  großen  Warenvorräte  waren
soweit  reduziert,  daß  der  Bestand  sich  in  einzelnen  Artikeln  niedriger
als  seit  8  Jahren  stellte.  Die  allgemeine  Erholung  verzögerte  sich
etwas  durch  eine  Finanzkrisis,  die  im  August  auf  dem  chinesischen
Geldmarkt  in  Schanghai  einsetzte.  Anscheinend  auf  die  damalige
ungewöhnliche  Preissteigerung  für  Rohgummi  hatte  eine  wilde  Spekulation ­
  in  Gummi-Aktien  eingesetzt,  die  weite,  mit  dem  Wesen  derartiger ­
  Unternehmungen  nicht  vertraute  Kreise  ergriff.  Durch  den
Zusammenbruch  dieser  Spekulation  wurden  umfangreiche,  gegen
Gummi-Aktien  geleistete  Vorschüsse  notleidend,  eine  Anzahl  der
native-Banken  geriet  in  Zahlungsschwierigkeiten  und  der  Zahlungsverkehr ­
  kam  ins  Stocken,  Sofort  wurden  seitens  der  chinesischen
Behörden,  der  chinesischen  Bankgilde  und  der  Handelskammer  die
Hilfe  der  Fremdbanken  angerufen.  Letztere  stellten  dem  Toatai  von
Schanghai  insgesamt  6,5  Millionen  Schanghai-Taels  zur  Verfügung,
gegen  die,  von  der  Peckinger  Zentral-Regierung  genehmigt,  zinstragende ­
  Obligationen  zur  Ausgabe  gelangten,  so  daß  das  Schlimmste
abgewendet  wurde.  (Im  Diagramm  deutet  die  starke  Abbiegung  der
Kurslinien  im  August  1910  auf  diese  lokale  Krisis  hin;  zu  beachten
ist,  daß  es  sich  dabei  aber  um  eine  Veränderung  der  Parität  handelt.)
Das  Exportgeschäft  wurde  durch  gute  Ernten  in  seiner  aufsteigenden
Entwicklung  weiter  gestärkt.
Die  Lage  während  der  untersuchten  Jahre  läßt  sich  dahin ­
  zusammenfassen,  daß  durch  den  jähen  Umschwung  in
1907  die  bereits  seit  1905  latent  vorhandene  Depression  voll
zum  Durchbruch  kam,  1908  und  1909  weiter  wirksam  blieb
und  erst  1910  gesunderen  Verhältnissen  Platz  machte.  Dem
entspricht  in  etwa  die  Paritätsstellung  der  Wechselkurse.
Die  außerordentlich  günstige  und  gleichmäßig  fortschreitende ­
  Entwicklung  des  Exports  entspricht  ebenfalls  der  Gestaltung ­
  der  Wechselkurse,  sodaß  Import  und  Export  parallel ­
  auf  die  Kurse  wirkten.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.