Full text: Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

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haben sollte, so ist es doch wiederum Erfahrungstatsache, daß der 
Unternehmer seine Profite wieder in der Volkswirtschaft zu neuen 
Produktionsmöglichkeiten anzulegen pflegt, woraus für die All 
gemeinheit nur ein Nutzen entsteht und nebenbei hat er als Ri 
sikoträger doch auch eine innere Berechtigung auf Profite. (Auf 
die Frage der Tragung des Risikos kann ich erst in anderem Zu 
sammenhänge an anderer Stelle eingehen.) Was berechtigt den 
Arbeiter, von sich aus Einwendungen gegen eine Wirtschaftsform 
zu erheben, bei der er einen größeren Ertrag seiner Arbeit und damit 
bessere Lebensbedingungen erhält, dem deutschen Volke aber 
sich ein Weg zur Rettung bietet, wenn auch der Unternehmer 
dabei profitiert. Gilt denn soziale Gerechtigkeit nur für die eine 
schaffende Kraft der Wirtschaft, nur soweit das egoistische Ar 
beiterinteresse geht. Es ist nicht wahr, daß eine Beteiligung eine 
Ausbeutung zur Folge haben muß und ich bin durchaus und unter 
allen Umständen gegen eine Ausbeutung irgend welcher Art, aber 
es geht nicht an, die Lasten, die aus dem Zusammenbruch des 
deutschen Volkes erwachsen, einzig einem einzigen der beiden 
Wirtschaftsglieder aufzuzwingen. So weitgehend das Kapital und 
die Unternehmung zu den allgemeinen deutschen Verpflichtungen 
herangezogen werden muß, auch der Arbeiter zu seinem Teile und 
gemäß seinen Fähigkeiten muß zu dem großen Ziele des Wieder 
aufbaues mit eingespannt werden und die Mitwirkung an einer 
Produktionserhöhung kann in keinem Falle, selbst wenn sie 
zu einer Mehrbelastung führt, als Ausbeutung bezeichnet werden. 
Auch der Arbeiter hat sein Vaterland, von dem er nicht 
nur Rechte zu beanspruchen hat, sondern dem er auch heilige 
Pflichten zu erfüllen hat und — erfüllt. Auch das Vaterland des 
deutschen Arbeiters ist nicht die Welt, nicht die sounsovielste 
Internationale, sondern Deutschland. Wer das nicht anerkennen 
will, an dem verliert Deutschland wirklich nichts, wenn er sein 
Bündel packt und auszieht, sich ein neues Vaterland zu suchen; 
er wird dem neuen ebensowenig die Treue halten wie dem alten, 
dem er immerhin seine Existenz als arbeitender Mensch verdankt. 
Was ich vom deutschen Arbeiter verlange, ist, daß er mithilft, sein 
Vaterland so wohnlich und angenehm zu machen, daß er darauf 
stolz sein kann, wobei ich natürlich nichts gegen das Streben nach 
einer internationalen Solidarität unternehmen will, die auch mir 
wertvoll erscheint, deren Organisation mir aber in der Richtung 
gemeinsamer Aufbauarbeit in der Welt wünschenswert er 
scheint, nicht aber in einen horizontalem Klassenkampfzusammen-
	        
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