Full text: Einführung in das Studium der Konjunktur

226 Vierter Abschnitt. Konjunkturprognose und Konjunkturpolitik. 
zahlreichen anderen Faktoren ab, vor allem auch von solchen, die 
von außen her an das Wirtschaftsleben herantreten, welche erst den 
Anstoß zu einem Wiederaufstieg geben können. Man wird deshalb 
niemals daran denken können, in! dem gleichen Sinne, wie für eine 
niedergehende Konjunktur, auch für deren Wiederaufstieg nach be 
stimmten Symptomen und Merkmalen zu suchen. Wohl gibt es 
mancherlei Anzeichen, die unter bestimmten Voraussetzungen dafür 
sprechen, daß der Zustand der Depression zu Ende geht. Aber zu 
einer Prognose in solch zwingendem Sinne, wie wir solche Symptome 
bei dem Rückgänge der Konjunktur kennengelernt haben, lassen sich 
diese Anzeichen nicht verwenden. 
Trotzdem soll an dieser Stelle noch kurz auf die Faktoren hin- 
gewiesen werden, welche geeignet sind, einen neuen wirtschaft 
lichen Aufschwung einleiten zu helfen. 
Wenn man sich die oben dargelegten Zusammenhänge noch 
einmal vor Augen hält, dann erkennt man, warum erfahrungsgemäß 
nach Ablauf einer Reihe von Jahren unter gewissen Voraussetzungen 
eine Depression ihrem Ende entgegengeht und die wirtschaftliche 
Konjunktur sich wieder in aufsteigender Linie zu bewegen beginnt. 
Dieser neue Aufstieg hängt in erster Linie damit zusammen, 
daß während der Depression sich der Produktionsapparat der In 
dustrie nicht weiter ausdehnt, daß hier die Steigerung ihrer 
Leistungsfähigkeit zum Stillstand kommt, daß dagegen aus Gründen, die 
wir gleich kennenlernen werden, die Nachfrage die Tendenz hat, 
wieder langsam zuzunehmen, um sich so immer mehr der Leistungs 
fähigkeit der Industrie, welche ja während der Depression keines 
wegs voll ausgenutzt werden konnte, anzupassen. 
Der eine, vielleicht der wichtigste Faktor, welcher nach dieser 
Richtung hin wirksam ist, ist die Volkszunahme, welche ja 
auch in den Zeiten der Depression andauert und dahin tendiert, eine 
steigende Nachfrage auf dem Warenmärkte auszuüben. Betrachten 
wir die Depressionsperioden der Jahre 1900—1903 und 1907—1909, 
so stieg von der Mitte des Jahres 1900 bis zur Mitte des Jahres 1903 
die deutsche Volkszahl um 2,58 Millionen, von der Mitte des Jahres 
1907 bis zur Mitte des Jahres 1909 um 1,7 Millionen. Es bedarf 
keiner weiteren Begründung, warum darin, gleiche Lebenshaltung 
und gleichbleibende Kaufkraft der Bevölkerung vorausgesetzt, ein 
Faktor liegt, welcher stimulierend auf die Nachfrage einwirken muß. 
Auch die Entwicklung desAußenhandels kann im den Zeiten 
der Depression den gleichen Einfluß auf die Nachfrage ausüben. 
Denn auch während der Depression nimmt vielfach der Umsatz im 
Welthandel, Ausfuhr und Einfuhr zusammen, zu. Das kann nicht
	        
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