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Die Bevolkerung'sVerhältnisse der Erde
Daß dieses in den letzten Jahrzehnten zu moderner Kultur
und Weltbedeutung gelangte Reich Expansionsbestrebungen haben
muß, ist selbstverständlich.
Die Bevölkerung Ägyptens (ohne Siwal, Sinai-Halbinsel,
Dongola und Suakin) betrug im Jahre 1800: 2’46 Millionen,
1821: 2-58, 1846: 4-47, 1882: 6-81, 1897: 9-73, 1907: 11-19
Millionen.
Die Dichte ist, wie früher erwähnt, pro Kulturquadratkilo-
meter gerechnet, etwas größer als die Belgiens. Auch hier finden
wir also außerordentliche Dichte und sehr starkes Wachstum der
Bevölkerung.
Politisch stehen entsprechend dem Kulturgrade heute Europa,
Amerika und Japan im Vordergründe.
Den führenden europäischen Staaten und Japan sind ihre
Expansionsbestrebungen durch ihre Übervölkerung vorgezeiehnet
— sie müssen nach Atemraum streben, ob sie wollen oder nicht.
Amerika hat noch so ungeheure leere Flächen zur Ver
fügung, daß es nicht gezwungen ist, sich in die Welthändel zu
mischen, sondern die Möglichkeit hat, seine Interessen auf das
eigene Gebiet zu beschränken. Treibt es trotzdem Expansions
politik, so hat das andere Gründe. Daher der Widerstreit in den
Meinungen über die Notwendigkeit seiner Einmengung in die
europäischen Verhältnisse und der in den letzten Jahren wahr
nehmbare mehrmalige Wechsel in der amerikanischen Politik.
Die Interessengegensätze zwischen England, Amerika und
Japan beunruhigen bekanntlich neben den großen europäischen
Fragen schon lange die Weltpolitik. Auch das erwachende China
und der indische Vulkan drohen mit Ausbrüchen.
Und dieser Weltlage steht ein seit Kriegsausbruch offen
kundig politisch, wirtschaftlich und vor allem moralisch in seinen
Grundfesten erschüttertes Europa gegenüber.
In dieser Situation, die höchste Solidarität der alten Kultur
nationen erfordern würde, zerfleischt sich Europa weiter! —
Eine loyale Abgrenzung der Interessensphären zwischen den
Übervölkerungsgebieten, die allen den zum Atmen nötigen Raum
verbürgt, wäre das einzige Mittel, um den von allen Seiten
drohenden Gewitterstürmen vorzubeugen und der Menschheit eine
längere Periode ruhiger kultureller Entwicklung zu verschaffen.