Die Malthuslehre
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Nach Malthus hat die Bevölkerung die Tendenz, sich
rascher zu vermehren als die Lebensmittelproduktion gesteigert
werden kann. Wenn auch noch unbebauter Boden vorhanden
ist und Verbesserungen möglich sind, so gibt es doch eine jeweilig
vom Stande der Technik und der Kultur abhängige, unüberschreitbare
Grenze für die Vermehrung. Eine Bevölkerungspolitik,
die nur auf Wachstum bedacht ist, und durch verkehrte
Maßregeln (falsche Armenpflege) leicht zur Entstehung einer unselbständigen,
krankhaften Unterschicht der Bevölkerung Veranlassung
gibt, wird von Malthus als schädlich verworfen. Die
Natur sorge schon von selbst für eine genügende Bevölkerung-Damm
solle der Staat nur gegen drohende Übervölkerung durch
Beschränkung leichtsinniger Eheschließungen, vernünftige Armengesetze
usw. einschreiten. Diesen Anschauungen entsprachen die
vielfach bestandenen, erst im 19. Jahrhundert beseitigten Beschränkungen
in der Freiheit der Niederlassung und der Verehelichung
(Heiratsersehwerung durch Verpflichtung zum Nachweis
genügender Erwerbsfähigkeit, durch Festsetzung eines hochgegriffenen
Normaljahres usw.).
Der Neomalthusianismus, unter welchem Namen die
Lehre von Malthus durch eine seit 1877 bestehende englische
Gesellschaft (Malthusian League) vertreten wird, lehrt bewußte
Beschränkung der Kinderzahl in der Ehe durch präventiven,
die Empfängnis verhindernden geschlechtlichen Verkehr. Er
hat auch auf dem Kontinent (in Holland, Deutschland, Italien)
zahlreiche Anhänger gefunden und zerfällt jetzt in verschiedene
Richtungen.
Die extreme, der die meisten Engländer, aber auch einige
Deutsche angehören, glaubt, daß alle sozialen Mißstände von der
zu großen Bevölkerungszahl herrtihren und durch Befolgung ihrer
Vorschläge beseitigt würden.
Die gemäßigte Richtung (J. St. Mill, Mantegazza, Zacharias)
sieht in letzteren wenigstens ein wichtiges Mittel zur Beseitigung
mancher Schäden. Auch die sozialistischen Anhänger des Neomalthusianismus
(Kautzky) glauben, daß in der neuen sozialistischen
Gesellschaft eine Regelung des Bevölkerungsstandes durch
den präventiven Geschlechtsverkehr nötig sei, um die bestehenden
Übel dauernd zu beseitigen.
Landwehr, Überpölhertes Land.
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