Die Malthuslehre
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haben wir diese Grenze mit etwa 100 Einwohnern pro Kultur
quadratkilometer angenommen.
Als Ursache des sozialen Elends zeigt sich also, ganz nach
Malthus, einerseits die örtliche Übervölkerung. Anderseits aber
müssen wir den Mangel einer ausgleichenden internationalen
Organisation als die zweite Ursache erkennen, der abzuhelfen
aber wohl unendlich schwer ist. Zum mindesten scheint die
heutige Menschheit trotz mancher Ansätze noch nicht reif dazu.
Wenn sich aber der Malthus-Satz für übervölkerte Gebiete
bisher als richtig erwiesen hat, kann man nichtsdestoweniger
die Frage aufwerfen, ob dies bei gesteigerter Kultur auch immer
so bleiben müsse.
Damaschke, »Die Bodenreform«, sagt darüber: Was Malthus
dazu führt, sein Bevölkerungsgesetz als so fest begründet anzu
sehen, ist seine Anschauung vom »Gesetz der Produktion auf
Land« oder, wie es auch genannt wird, dem »Gesetz der ab
nehmenden Erträge«. Nach ihm wird überall der beste Boden
zuerst in Angriff genommen. Die Kultur des minder guten Bodens,
zu dem die Menschen später greifen müssen, erfordere mehr
Kapital und Arbeit, und doch müsse »im Verhältnis, wie die
Kultur sich ausdehnt, die Zunahme der früheren Durehschnitts-
produktion allmählich und regelmäßig abnehmen«. Der Ertrag
einer Fläche sei nicht nur endlich beschränkt, sondern es müsse
auch jede Steigerung des Ertrages durch Aufwendung von ver
hältnismäßig mehr Arbeit und Kapital erkauft werden. Dieses
Gesetz der Produktion auf Land ist wohl richtig — unter einer
Bedingung; Arbeit und Kapital werden stets in unveränderter
Weise angewandt. Sobald aber die Arbeit- und Kapitalverwen-
wendung eine andere wird, tritt dadurch eine Tendenz in Wirk
samkeit, die der Tendenz der sinkenden Erträge widerstreitet.
Das spricht Malthus selbst einmal im 10. Kapitel des
III. Buches aus; »Ein verbessertes Kultursystem kann beim Ge
brauch besserer Geräte eine lange Zeit die Tendenz einer aus
gedehnten Kultur und einer großen Kapitalzunahme, geringere
Verhältniserträge zu liefern, mehr als aufwiegen.«
Er ist aber diesem Gedanken nicht nachgegangen und hat nament
lich nicht erwogen, ob eine Wechselbeziehung zwischen der Ver
mehrung der Bevölkerung und der Verbesserung des Knltursystems
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