Full text : Der Zucker im Kriege

15

®af)en  reiner  Melasse  schädliche  Wirkungen  ausüben  können.  Daher
bat  üch  die  Verabreichung  der  Melasse  in  Mischung  mit  anderen
Futterstoffen  eingebürgert.  Sogar  Torfmehl,  das  natürlich  nur  aus
den  feinsten  und  moosigsten  Schichten  der  deutschen  Torfmoore  gewonnen ­
  wird,  hat  man  als  Melasseträger  vielfach  benutzt.  Seine
Verwendbarkeit  bzw.  Unschädlichkeit,  über  die  man  seinerzeit,  als
das  Herstellungsverfahren  patentiert  war,  noch  lebhaft  gestritten
hatte,  ist  jetzt  während  des  Krieges,  unter  dem  Druck  der  Verhältnisse,
fast  überall  anerkannt  worden.  Die  Herstellung  der  Gemische  aus
Melasse  und  Futterstoffen  erfolgt  am  besten  und  einfachsten  in  den
Melasseerzeugungsstätten  vermittelst  sogenannter  Mischmaschinen
unter  Anwärmung  der  Melasse.  Seit  Jahren  hat  sich  aber  ein
blühender  Industriezweig,  die  Melasse-Mischfutterfabriken,  entwickelt,
die  von  Rohzuckerfabriken  und  Siedereien  Melasse  kaufen  und  durch
Mischen  mit  allen  möglichen  Melasseträgern  namhafte  Gewinne  gezogen ­
  haben.  Dadurch  aber,  daß  mitunter  verdorbene  und  völlig
wertlose  Stosse  mit  Melasse  verdeckt  und  unter  tönenden  Namen  und
zu  teuren  Preisen  als  Futtermittel  in  den  Handel  gebracht  wurden,
ist  der  Melassefütterung  beträchtlicher  Schaden  erwachsen.  Außer  in
Melasscentzuckerungsanstalten  und  Landwirtschaft  findet  die  Melasse
Verwendung  zu  allerlei  technischen  Zwecken.  In  größerem  Umfang
wird  sie  in  Melassebrennereien  zu  Spiritus  verarbeitet.  Dabei  ergeben ­
  etwa  7,5  Zentner  Melasse  einen  Hektoliter'  Spiritus.  Auch
die  Zuckerrüben  "dienen  neben  den  Kartoffeln  zur  Branntweinerzeugung. ­
  Die  Heranziehung  der  Rüben  zu  Brennzwecken  ist  gerade
neuerdings  vielfach  geschehen,  um  die  dadurch  in  den  Brennereien
ersparten  Kartoffeln  der  menschlichen  Ernährung  zuzuführen.  25  bis
26  Zentner  Rüben  werden  zur  Erzeugung  eines  Hektoliters  Spiritus
benötigt.
Die  Zuckerrübe  bildet  also,  sowohl  unmittelbar  wie  zunächst
auf  Zucker  verarbeitet  und  dann  getrocknet,  mit  der  Melasse,  den
eiweißhaltigen  Blättern  und  Köpfen  und  schließlich  auch  dem  Zucker
selbst  ein  äußerst  wertvolles,  besonders  beim  Selbstanbau  sehr  preiswertes ­
  Kraftfutter.  Namentlich  der  Wert  der  Zuckerrübenblätter
und  -köpfe  wird  noch  keineswegs  überall  genügend  gewürdigt,
sie  werden  verhältnismäßig  erst  wenig  getrocknet,  obwohl  ihr  Futterwert ­
  dem  in  Knospen  stehenden  Rotklee  gleichkommt  und  der  in  Geld
umgerechnete  Wert  eines  Hektars  283,10  Mark  ausmacht.  Allein  der
Ertrag  eines  Hektars  Zuckerrüben  an  Stärkewert  in  Blättern,
Köpfen,  Schnitzeln  und  Melasse  übersteigt  nicht  unwesentlich  den
Futterwert  von  2  Hektar  Wiesen,  von  dem  gleichen  Hektar  werden
aber  obendrein  noch  46,42  Doppelzentner  Zucker  gewonnen.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.