Object: Forstwirtschafts-Politik

Die großen Umwälzungen außen- und innenpolitischer Natur nach dem großen Kriege 
haben das Bild der deutschen Forst- und Holzwirtschaft wesentlich verändert. Sowohl die 
natürliche als auch die ökonomische Bedingtheit der deutschen Forst- und Holzwirtschaft 
haben sich stark gewandelt. Der für Deutschland so unglückliche Ausgang des Krieges und 
die im Zusammenhang mit ihm stehenden politischen Umwälzungen, die unser ganzes 
Wirtschaftsleben von Grund aus erschüttert haben, haben auch tiefgehende Wandlungen 
unserer deutschen Forst- und Holzwirtschaft bewirkt. Der Friedensvertrag von Versailles 
hat uns nicht nur einen großen Teil deutschen Landes und damit große Teile des deutschen 
Waldes entrissen, er hat auch unseren Güterverkehr stark geknebelt und uns dazu noch 
die Verpflichtung großer Holzlieferungen an den Feindbund auferlegt. Der Zusammenbruch 
Zaren-Rußlands und der Donau-Monarchie, die vor dem Kriege unsere Hauptholzlieferanten 
waren, haben unseren Holzbezug aus dem Auslande stark erschwert. So daß also nicht nur 
unsere Eigengewinnung an Holz, sondern auch die Möglichkeit der Holzzufuhr stark ver- 
ringert worden ist. 
Natürliche Bedingtheit. 
In welcher Weise und bis zu welcher Höhe eine Forst- und Holzwirtschaft sich 
entwickelt, das hängt vor allem in hohem Grade von der N at ur ab, in welcher diese 
Forst- und Holzwirtschaft verankert ist, denn diese Natur ist es, welche die Möglichkeit 
der Bedürfnisbefriedigung eines Volkes mit Holz liefert. – Die Gr öße der vor- 
handenen Wälder, ihre Verbreitung, ihr Holz- und Holzarten- 
r ei ch tum ~– Faktoren, die wieder bedingt sind durch Boden, Klima usw. —~ 
das sind die Naturmächte, mit denen eine Forst- und Holzwirtschaft vor allem zu rechnen 
und zu arbeiten hat. – Die Möglichkeit der Bedürfnisbefriedigung eines Volkes mit Holz 
hängt aber nicht nur von der Größe der vorhandenen Wälder, sondern auch von der 
Größe der vorhandenen Bevölkerung und dem Verhältnis dieser 
b e i d e n Größen zueinander ab. ~ In Betracht kommen ferner: der natürliche St an d - 
ort der verschie d enen Holzindustrien, die Lage der Ge winnungs- 
und Verbrauch sstätten zueinander und die Zahl und der Zust and 
der beide miteinander verbindenden Verkehrs s r a ß e n. Das alles 
sind teils natürlich gegebene Zustände und Verhältnisse, teils aus den natürlichen 
Bedingungen erwachsene Tatbestände, die man alle zusammen als die natürlichen 
Bedingungen der Forst- und Holzwirtschaft bezeichnen kann. 
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