Contents: Die Staatsausgaben von Großbritannien, Frankreich, Belgien und Italien in der Vor- und Nachkriegszeit

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gleichsam vorgeschossen werden. Die Amortisation dieser Anleihen stellt die Übertragung der Belastung 
von den Anleihezeichnern auf die Steuerzahler dar; die Verzinsung ist das Entgelt für den mit 
der Kapitalhergabe an den Staat verbundenen Verlust anderweitiger Kapitalertragsmöglichkeiten, 
der bei sofortiger Finanzierung durch Steuern von vornherein von den Steuerzahlern hätte getragen 
werden müssen. Zins- und Amortisationszahlungen bedeuten also keine unmittelbare neue Belastung 
der Gesamtwirtschaft, sondern lediglich die nachträgliche Verteilung einer bereits früher entstandenen 
Belastung. 
Der Charakter der Einkommensverschiebung läßt sich besonders an dem Beispiel Großbritanniens 
verdeutlichen. Die wegen der Mehrausgaben der Nachkriegszeit erhöhte Einkommensteuer wird u. a. 
auch zur Deckung der Ausgaben für die Verzinsung der Kriegschuld verwandt. Da nun teilweise die 
Kriegsanleihen in den Händen der gleichen Personen sind, die auch die Einkommensteuer zu zahlen haben, 
so wird hier häufig der Betrag nicht einmal von einem Personenkreise auf einen anderen übertragen, 
sondern der Zensit zahlt Vielfach die Steuern, deren Ertrag ihm in Form von Zinszahlungen teilweise wieder 
zufließt?). 
Als Einkommensverschiebung ist indessen nur der Dienst der inländischen Staatsverschuldung anzu- 
sehen. Die Verzinsung auswärtiger Kriegschulden stellt, ebenso wie etwa Kriegstribute, vom Inlande 
her gesehen eine öffentliche Finkommensbeanspruchung dat; da solche Beträge ohne derzeitige Gegen- 
leistung von seiten des Staates der Volkswirtschaft endgültig entzogen werden. handelt es sich hier um 
eine Belastung im strengsten Sinne des Wortes. 
Zinsen auf produktive Anleihen, die aus den Erträgen der staatlichen Erwerbsbetriebe zu decken sind, 
wurden, wie bereits ausgeführt (vgl. oben S. 398), nach Möglichkeit abgesetzt und nur bei der Errech- 
nung etwaiger Nettozuschüsse für die Erwerbsbetriebe_als Kosten berücksichtigt. 
In der Nachkriegszeit sind die Zinsen und Amortisationsbeträge infolge der Kriegsverschuldung außer- 
ordentlich angestiegen. Auf sie entfällt der höchste Anteil in Großbritannien mit 40,1 vH (ohne Ver- 
zinsung auswärtiger Kriegschulden); es folgen Frankreich mit 33,2 vH, Italien mit 31,7 vH und Belgien 
mit 23,6 vH der hier verarbeiteten Staatsausgaben. Die Zins- und Amortisationszahlungen machen z. B. 
in Großbritannien rund 9 vH des Volkseinkommens aus. 
Wenn diese außerordentlich hohen Beträge auch keine öffentliche Einkommensbeanspruchung dar- 
stellen, so darf die Volkswirtschaftliche Bedeutung so großer Einkommensverschiebungen doch nicht 
unterschätzt werden. Nicht nur, daß ein Teil der zu diesem Zwecke erhobenen Steuern durch die Kosten 
der Steuererhebung und der Schuldenverwaltung beansprucht wird, d. h. echte Einkommensbeanspruchung 
darstellt; jede auch zu Zwecken der Einkommensverschiebung erhobene Steuer bedingt einen Eingriff in 
die Wirtschaft und damit wenigstens zunächst eine gewisse Störung des Produktionsprozesses. 
Drittes Kapitel. 
Renten und Unterstützungen. 
Staatsausgaben für Renten und Unterstützungen, 
in vH 
der Gesamtstaatsausgaben Nachkriegsetat?) 
a in vH des 
Vorkriegsetat | Nachkriegsetat | Vorkriegsetats 
Großbritannien... En 8,8 14,2 442,2 
A EN 5,1 12,1 426,8 
BEN, 5,5 17.9 | 707,3 
italien en 1.2 vr 1.364,9 
Die ebenfalls als Einkommensverschiebungen behandelten Renten und Unterstützungen enthalten 
diejenigen staatlichen Leistungen, die als periodische oder einmalige Beihilfe an einzelne Personen oder 
Korporationen gehen. 
Von den Subventionen unterscheiden sie sich Volkswirtschaftlich dadurch, daß diese eine Veränderung 
im Ansatz der Produktivkräfte bezwecken, während die Renten und Unterstützungen zu einer anderen 
?) Vgl. zu der Frage der Zinszahlungen als Finkommensverschiebung: Pigou, a.a. 0.. S. 41 und 717. und J. Stamp, a.a.O., 8. 53 ff.. 
[erner National Industrial Conference Board, a. a. O., 8, 88, 
?) Für die Nachkriegsetats sind die Vorkriegskaufkraftziffern zugrunde gelegt,
	        
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