Full text: Vieh und Fleisch in der deutschen Kriegswirtschaft

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aus diesem Verkauf, also zu dem später mit Recht so bekämpften Ern- 
Hamstern, aufzufordern. Man nahm an, daß daurit der Verbrauch 
ain besten gedeckt würde. DaS ist verständlich, weil damals niemand 
mit völlig durchgreifender Bewirtschaftung des Fleisches auf Jahre 
hinaus rechnete. 
Das Reich begann Anfang 1916 durch Zusammenschließung deS 
Viehhandels in Verbänden den Kampf um die Herrschaft auf dern 
Viehnrarkte und über den Viehpreis aufzunehmen. Der Gründung 
der Viehhanhelsverbände folgte die Festlegung der Schweinepreise 
(BundeSratsverordnuug vom 14. Februar 1916) und schließlich die 
Bestimmung der Höchstzahl der gewerblichen Schlachtungen (Bundes- 
ratsvcrordnung vom 27. März 1916). Hierdurch wurde mit einen! 
Schlage die Lage der Kommunalverbände völlig geändert. Der freie 
Handel mit Vieh hörte auf. Die Kommunalverbände erhielten von 
den staatlich bestimmten Stellen das Vieh, das der für ihren Bezirk 
zugelassenen Schlachtungsziffer entsprach. Außerdem mußten sie 
Kleinhandels-Höchstpreise für Schweinefleisch vorschreiben und den 
Absatz ausländischer Fleischwaren regeln. Die Verordnung vom 
27. März 1916 legte ihnen schließlich ganz allgemein die Aufgabe auf, 
den Verkehr und Verbrauch hinsichtlich des 
Schlachtviehfleisches zu ordnen. 
Hiermit hat das Reich ein großes Wort gelassen aus 
gesprochen, dessen Erfüllung den Konununalverbänden nicht ohne 
weiteres möglich war. Der Schlüssel für die Viehzuteilung', die Zahl 
der gewerblichen Schlachtungen, stiinmte.zunächst mit dem Bedarf der 
kommunalen Bezirke nicht, da früher einzelne Schlachthäuser für 
mehrere Bezirke, für Heeres-, Marine-, Schiffsproviantbedarf, 
Konservenfabriken u. dergl. geschlachtet hatten. Während deshalb in 
Städten wie Hamburg die schlüsselmäßige Lieferung den Bedarf sehr 
gut deckte, ohne daß hierzu organisatorische Anstrengungen des Staates 
nötig waren, entstand anderwärts ein großer Mangel. In den Groß 
städten des Ostens und Westens sowie in weiten Teilen Mittel 
deutschlands und später, als die Weidezeit den Auftrieb verringerte, 
auch Süddeutschlands setzte das „Anstellen" nach Fleisch ein. Da die 
Kommunalverbände den Verbrauch gleichwohl regeln sollten, mußten 
sie nunmehr dem R a t i o n i e r u n g s p r o b l e m nähertreten. 
Für dieses lagen die technischen Erfahrungen der Brot- und 
Mehlverteilung und besonders der Butterverteilung, die in ähnlicher 
Weise mit zu knappen Mengen zu rechnen gehabt hatte, vor. Dagegen 
war man über die mögliche Rationshöhe lange sehr im Zweifel: 
einerseits schwankte die tatsächliche Erfüllung der schlüsselmäßigen
	        
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