Full text : Vieh und Fleisch in der deutschen Kriegswirtschaft

IV.

Die  Bewirtschaftung  und  Verbrauchsregelung
für  Vieh  und  Fleisch  im  Kommunalverbande.
Von  Siadtrat  Dr.  Hans  Krüger,  Dresden,
Mitglied  des  Vorstandes  des  Kriegsernährungsamts.
1.  Vorgeschichte.
Der  bisherige  Verlauf  der  Dinge  führte  im  Kriege  bei  allen
wichtigen  Lebensmitteln  vom  freien  Handel  zur  Reichsbewirtschaftung.
Im  einzelnen  Kommunalverbande  kennzeichnet  sich  der  erste  Entwicklungsabschnitt ­
  dadurch,  daß  man  entweder  den  Handel  frei  gewähren ­
  ließ  oder  höchstens  in  Wettbewerb  mit  ihm  Vorratspolitik
trieb,  während  die  ziveitc  Stufe  der  Entwicklung  die  der  kommunalen
Verteilungspolitik  auf  der  Grundlage  der  reichsrechtlichen  Bewirtschaftung ­
  ist.
Dieser  Werdegang  ist  auch  beim  Verkehr  mit  Vieh  und  Fleisch  ,
vorhanden.  Solange  der  Handel  das  Vieh  kaufte  und  den  Schlacht-  J
orten  zutrieb,  kam  höchstens  die  kommunale  V  o  r  r  a  t  S  p  o  l  i  t  i  k  /
als  Kriegsmaßnahme  in  Frage.  Sie  spielte  bei  Beginn  des  Krieges
die  größte  Rolle  für  die  Verproviantierung  der  deutschen  Festungsstädte, ­
  für  welche  die  Anhäufung  großer  Reserven  für  den  Bclagerungsfall
  geboten  war.  Einige  von  ihnen  legten  eiserne  Bestände
in  dauerhaft  gemachtem  Schlachtfleisch  an,  andere  —  wie  Posen  —
schlossen  zahlreiche  Verträge  über  den  Zutrieb  sämtlichen  lebenden
Viehes  des  weiteren  Vorgeländes  für  den  Gefahrenfall.  —  Aber  auch
außerhalb  der  Festungsstädte  sind  Vorräte  an  gefrorenem,  gepökeltem,
gekühltem  Fleisch  schon  sehr  früh  angelegt  worden;  Dresden  hat
hiermit  schon  im  August  1914  einen  städtischen  Flcischverforgungsausschnß
  betraut,  wobei  cs  allerdings  zunächst  nur  Notreservcn  für
Zeiten  der  Transportstockungen  schuf.
Einen  mächtigen  Anreiz  erhielt  die  städtische  Vorratspolitik  in  |
der  Zeit  der  zwangsmäßigen  Schweineabschlachtung,  die
i>n  Frühjahr  1915  zur  Schonung  der  Kartoffel  für  die  menschliche
            
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