Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

178 Hike, Geburtenrüdgang und Sozialreform ; 
Hier müffen Milderungen eintreten. Daß bei den Eltern Freifein von beitimmten 
Rrankheiten verlangt wird, wollen wir gelten Iaffen, aber daß die Eltern darınter leiden 
lollen, daß Kinder nicht gefund find oder vorzeitig {terben, erfheint uns miederum Hart, 
38 fann für eine Familie von weittragender Bedeutung fein, daß, wenn fie den Pacht: 
Äiß mit vielen Opfern und Mühen eingerichtet, vielleicht [ogar eine Kebgewordene 
Umgebung und Berufstätigkeit in der Hoffnung auf die lebenslänglihe Heimftätte 
aufgegeben hat, diefe nım wieder verlaffen [oll. Bon diefem Standpunkte aus erachten 
wir e8 überhaupt für richtiger, nur [oldhe in die Pachtfige eintreten zu Iaffen, die bereit? 
bie erforderlichen drei oder vier Kinder Haben. Wenn man mit gutem Grunde zugunijten 
der Kriegsinvaliden eine Wusnahme macht, dann muß auch das RKifiko, daß die Che 
finderarm bleibt, in Kauf genommen werden. — Wir denken uns die „Brutfjtätten” 
richtiger „Aufzuchtjtätten“) überhaupt nicht al? dauernd und erblid übertragen, 
ondern wefentlih nur für die Zeit, wo die Kinder anwacdhfen, Wenn die Kinder er- 
vadfen find, dann ftehen mit deren Mithilfe die-Mittel reichlih zur Verfügung, [eIbit 
ine Wohnung zu befhaffen. Das gilt wenigjtens für die Wohnheimftätten, Ciwas 
zuder8 ijft e8 mit den WirtfHaftsheimftätten mit mehr landwirtjdhHaftlichem Betrieb, 
mo der Rächter größeres Kapital eingelegt hat und auch im Betrieb feinen Beruf 
indet, Hier Könnte die Übertragung für die Lebensdauer {tattfinden. In beiden 
Sällen follte jedenfalls ein Vorrecht der Kinder anerkannt werden, foweit eines 
yerfelben bereit8 die erforderliche Kinderzahl aufweijt. m übrigen Joll das Nelt nach 
„Musfiug“ der Brut oder doch nad dem Tode des Inhaber3 wieber geräumt werden, 
ım einer andern Familie mit anwacdhlenden Kindern Plag zu machen. 
Die innere Kolonifation wird immer nur in befhränktem Maße wirk- 
lam werden. Um fo mehr muß der Befferung derländliden 
WohnungzverhHältniffe überhaupt, insbefondere der Land- 
arbeiter, voller Ernit zugewandt werden. Die Wohnungen erfreuen [ich 
ja des Borzugs von Luft und Licht gegenüber den Mietkajernen der 
Städte. Dagegen [ind fie vielfach feucht, leicht gebaut, fo daß Näffe und Kälte 
urchbringen. Oft find die Aborteinridhtungen ungenügend und die Brunnen 
verfeucht. Soweit man in unfern Dörfern neue, zwedmäßig gebaute Ar- 
beitermohnungen fieht, find jie meifltenz von Induftriearbeitern bewohnt. 
& it bezeichnend und bedauerlih, daß die Wohnungsdarlehen der In- 
validenanftalten fajt ausfchließlid den induftriellen Arbeitern zufließen. 
Das liegt nicht am böfen Willen der VBerfidherungsanftalten, fondern an der 
mangelnden Initiative und Organifation der landwirtihaftlidHen Arbeiter 
und Arbeitgeber. Die SGutsbezirfe und bäuerlichen Gemeinden widerfireben 
jogar oft genug der Anfiedlung, machen Schwierigkeiten bezüglich der 
Baukonzeffion, weigern fi, die Garantie für das Darlehen zu übernehmen. 
Die Sutzherren laffen die beftehenden Wohnungen der Kätner, Büdner 
uf. verfallen oder bringen fie wenigjten3 nicht auf den Stand, den Heute 
der Arbeiter mit Recht verlangt. Sie laffen lieber ihr reiches Land nicht 
voll ausgenüßt Kiegen, als daß fie dem Arbeiter ein Stüd gegen mäßige 
Bezahlung ablaffen, um fi ein Gäuscdhen nebit Garten zu errichten. Die 
NacHbarfchaft einer Arbeiterfamilie ijt ihnen unangenehm. Bor allem 
Hirchten fie die Armen- und mehr noch die Schullaften. Hier find aetwvik
	        
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