Object: Die freiwilligen sozialen Fürsorge- u. Wohlfahrtseinrichtungen in Gewerbe, Handel u. Industrie im Deutschen Reiche

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Oscar Dietrich, Papierstoff- und Papier 
fabriken, Weißenfels a. S. 
Im Jahre 1875 hat Oscar Dietrich die in nächster Nähe der Eisenbahn und an der Saale 
gelegene ehemalige Herzogliche Brückenmühle, die am 18. August 1307 von dem Land 
grafen Friedrich von Thüringen dem Kloster Beuditz als „Saalemühle an der Brücke“ 
geschenkt wurde, gekauft, umgebaut und darin eine große Papierfabrik errichtet, sowie 
den bisherigen Wasserbetrieb durch Dampfkraft ergänzt. Ende der 80er Jahre im vorigen 
Jahrhundert erbaute die Firma oberhalb der Brückenmühle eine zweite Fabrik, die außer 
der Papiererzeugung die Herstellung von Holzschliff mittels Dampfkraft umfaßte. 
Anfang dieses Jahrhunderts nahm die Firma noch die Herstellung von Strohzellstoff auf. 
Heute beschäftigen die Anlagen insgesamt 850 männliche und weibliche Arbeiter und 
65 Beamte. An Löhnen und Gehältern wurde rund 1 000 000 M. im Jahre gezahlt. Die 
tägliche Erzeugung beträgt 85 000 kg Papier. Der Durchschnittsumschlag der Betriebe 
an Gütern beläuft sich auf 520 000 kg täglich, wofür jährlich etwa 760 000 M. Frachten 
gezahlt werden. Der Absatz der Erzeugnisse erstreckt sich ins In- und Ausland. 
UNTERSTÜTZUNGS- UND WOHLFAHRTSKASSE. Für die Mitarbeiter des Unter 
nehmens ist eine Unterstützungs- und Wohlfahrtskasse von der Firma gestiftet, die 
zurzeit über 75 000 M. verfügt. Über die Verwendung der Mittel aus dieser Kasse ent 
scheidet der Arbeiterausschuß. 
ERHOLUNGSURLAUB. Ferner haben alle Beschäftigten, die mindestens vier Jahre 
in der Firma tätig sind, Anspruch auf Erholungsurlaub. Während dieser Zeit läuft der 
Lohn natürlich fort. 
BÄDER. Flußwasser- und warme Bäder in den städtischen Badeanstalten können alle 
Beschäftigten nach freier Wahl und jederzeit auf Kosten der Firma nehmen. Außer 
dem befinden sich an vielen Betriebsstellen in den Werkanlagen unmittelbar Bade- und 
Wascheinrichtungen in vollkommenster Art. 
GÄRTEN. Den langjährigen Mitarbeitern stehen auch im direkten Anschluß an die Stadt 
gute Grundstücke für Schrebergärten, Gemüse- und Ackerbau auf Kosten der 
Firma zur Verfügung, und wird von diesen Einrichtungen vielfach Gebrauch gemacht.
	        
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