D. Bekämpfung des Geburtenrüdganges 51
unter dem Schute der Dedadrefje jie abholen fönnen. Soll das auch
im neuen Deutjchland jo weitergehen?
Doch worauf e5 un vor allem ankommt, ift der Schuß unjerer Su
gend gegen jene Literatur und vervielfältigende Kunft, die es direkt auf
die Aufregung der Phantafie und die Reizung der Sinnlichkeit abfieht,
in raffinierter Weile die [AYlummernde Leidenjchaft wedt und entilammt,
zu phantaftijdhen Lebenszielen und Wbenteuern verlodt und allen Sinn für
ernjte Arbeit und Pflicht ertötet, ES [ind jene Schauer- und Schundromane,
die in Zehnpfennigheftchen Woche um Woche zu taufend und Hunderttaufend
von Fabrif- und Dienjimädchen, Ladenmanfells und unreifen Burfchen
gefauft werden und von Hand zu Hand wandern. Sefhäftige Verleger
und Kolportagehändler überfluten das Land mit foldhen elenden und ge:
meinen Seiftesprodukten. Selbit inı Kriege hat dieje Indulirie den Drang
der Jugend nad) Kriegsabentenern und Heldentaten durch eine neue aben-
teuerlidje Siteraturgattung auszunußen verltanden. Verderblicdher noch
find die Liebes-, Detektiv: und Mordaeichichten, welche mit Heißhunger
verjdlungen werden.
Womöglich noch AOlinıner war e& vor dem Kriege mit der Verbreitung
von BPhotographien, Pofjftfarten und SMlufrations
werfen, die nur der rohen Lüflternheit dienten.
Die ernften Ereigniffe des Krieges haben aud) hier zunächit eine Gefferung gebracht,
aber diefe reinigenden Wirkungen haben nicht Jange angehalten. Gewiß, der Schmug
ft zurücdgedrängt, aber wer z. VB. aus den photographiichen und Kinftlerfarten unferer
Sffentliden Schaufenfter einen Cinblid in die Erlebniffe und Stimmungen des deut:
iden Volkes in diefer großen Zeit gewinnen wollte, würbe arg enttäufcht fein. Nicht
beutfde Kraft, Heimatliebe, Hochachtung der eheliden und bräutlidhen Liebe und
Treue finden hier ihre Spiegehung, fondern widerliche Koketterie, hohle Theaterpofc
und finnlidhe Aufpugung. Und folche Karikaturen des deutfcdhen Volkes in feinen Leiden
und Kämpfen, in feiner Größe und Kraft fenden unfere Frauen und Töchter ins Feld!
Das find Verirrmngen des Gefchmads, die vielleicht polizeilid nicht Forrigiert werden
fönnen, aber fie beweifen jedenfalls, daß der eigne SGefchmad und die Selbjterziehung
unferes Volkes nicht weit reihen. Wenn die Polizei hier verfagt, dann bedarf e8 um fo
mehr der Einwirkung durH „Vereine zur Bekämpfung der öffent:
lidgen Unfittlidgteit“ u{w., die die Polizei durch Aufklärung und durch die
Macht der öffentlichen Dieinung unterftügen und ergänzen. Was felbit Heute z. B. in
Injeraten des „Tag“ (am 29, Oktober, 26. November und 3. Dezember 1916) al8 „präch-
tige Weihnachtsgefchenke“, an „billigen und wextvollen Büchern“ angeboten wurde, muf:
jeden Freund unferes Volkes und insbefondere unferer Jugend mit Entrüftung erfüllen.
Die ernfte Mitarbeit für eine energijdhe Bekämpfung von Sdhmuß und
Schund in der Literatur und Kunft hat die Militärverwaltung mit Erfolg
eingeleitet; auch hier gilt es, diele S Hußwehren zu erhalten
und auszubauen, damit nicht nach den Kriege die Schlammflut
von neuem über unjere deutfche Jugend hereinbreche. — Wer folche Art
Citeratur und Kunit liebt und pflegt, verliert Seidhmad und Veritändniz
tür die echte Boelie und Kunft. Schon aus diefen: Grunde follten vor allen:
NA an