Full text : Lohnpolitik

Organifationen  gewefen.  Er  hat  die  Gefcllen-  und  Arbeiterverbände ­
  bekämpft  und  verboten  und  fich  um  die
Lage  der  Lohnarbeiter  wenig  gekümmert.  Seine  lohnpolitifchen
  Maßnahmen  waren  höchftens  von  feiner  merkantiliftifchen
  Wirtfchaftspolitik  und  vom  Intereffe  der  Arbeitgeber ­
  diktiert.
Brennend  für  Wirtfchafi  und  Staat  wird  die  Lohn  frage
mit  dem  Obfiegcn  des  wirtfchaftlichcn  Liberalismus,  der,
von  Kapitalintereffcn  angeregt,  wiederum  dem  Kapital
fchrankcnlofe  Freiheit  verfchafftc.  Um  konkret  zu  fein,
darf  ich  auf  die  englifchen  Verhältniffc  Bezug  nehmen,  wo
fich  die  modernen  Grofzgewerbe  zuerft  durchgefetzt  haben
und  wo  auch  der  wirtschaftliche  Liberalismus,  wie  ihn  Adam
Smith  in  feinem  vielaufgelegten  Buch  „Vom  Reichtum  der
Nationen“  verkündete,  feine  erften  grofzen  Triumphe  gefeiert
hat.
Nachdem  der  Staat  fich  diefer  Lehre  zugewandt  und  fie
bis  zu  Koalitionsverbot  und  drakonifchen  Strafen  gegen
organifierte  Arbeiter  durchgeführt  hatte,  wuchs  nicht  blofz
die  proletarifche  Maffe,  fondern  auch  ihr  Elend  von  Jahr  zu
Jahr.  Die  amtlichen  englifchen  Blaubücher  der  40er  Jahre
des  vorigen  Jahrhunderts  geben  davon  ein  erfchreckendes
Bild,  ein  Bild,  das  bekanntlich  die  Väter  des  Sozialismus
infpäriert  hat.
Was  Wunder,  wenn  unter  foichen  Urnftänden  die  neuerftehenden
  Arbeiterorganifationen  ftatt  zu  Organen  der
Lohnpolitik,  zu  Geheimbünden  nach  Verfchwörerart  fich
entwickelten  und  fchliejzlich  die  Chartiftenbewegung  die.
ganze  Frage  aur  das  politifche  Gebiet  hinübcrfpielte.  Ich
deute  alle  diefe  Entwicklungen  nur  kurz  an,  um  zu  zeigen,
wie  mühfam,  langfam  und  auf  welchen  Um-  und  Irrwegen
fich  die  gewerkfchaftliche  Lohnpolitik  fchliefzlich  hat  durchringen ­
  muffen.  Das  Jahr  1824  brachte  die  Aufhebung  der
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