In einzelnen Unternehmen ist es üblich, die Aufschläge nach
den erzeugten Artikeln verschieden hoch zu bemessen (Artikelaufschlag).
Dieses Verfahren ist vielfach berechtigt. Wenn man
beispielsweise eine Ware emailliert, die andere nur lackiert, diese
stanzt und jene falzt, dann wäre ein gleichmäßiger Aufschlag auf
beide Ausführungen offenbar ungerecht. In größeren Unternehmungen
kann man werkstättenweise die Aufschläge bestimmen. In
kleineren Betrieben wird eine so weitgehende Spezialisierung der
Kosten wahrscheinlich untunlich sein. In anderen Betrieben ist es
tatsächlich unmöglich, die Unkosten nach der Schwierigkeit der Ausführung,
wie es einer gerechten Verteilung entspricht, zu berechnen.
Auch die Vertriebs(Handlungs)unkosten können nicht schablonenmäßig
verteilt werden. Der eine Artikel oder die eine Artikelgruppe
erfordert öfteres Reisen, mehr Reklame, verursacht größere Anstrengung
hinsichtlich des Verkaufes u. ä., andere „verkaufen sich
von selbst“. Ein Betrieb, der ausschließlich auf Bestellung arbeitet,
wird mit anderen Verkaufsspesen zu rechnen haben als ein solcher,
der hauptsächlich auf Lager arbeitet und durch fortgesetzte Reklame,
durch Agenten, Reisende für deren Vertrieb sorgen muß.
Bei Berechnung der Kostenaufschläge erscheint es häufig gerechtfertigt,
anstatt gleichmäßig hoher Aufschläge diese nach Artikelgruppen
zu differenzieren, um den besonderen Verhältnissen
der Ausführung und des Vertriebes Rechnung zu tragen.
Schließlich sei ein Kalkulationsbeispiel vorgeführt. Eine Porzellanwarenfabrik
berechnet eine Vase, Modell Nr. 1346, Gewicht 1,25 kg,
Brennraum 6,7 cbm:
Masse Kr. —,10
6,7 cbm Brennraum ä 12 h .... „ —,80
Dreher, Maler, Farben „ —,80
2 mal schmelzen ä 12 h ..... . „ —,24
Kr. 1,94
50 o/o Unkosten —,97
Kr. 2,91!
15°/o für Bruch —,44
Selbstkosten Kr. 3,35
NB. Die Kosten des Brennens und Schmelzens werden nach dem
Rauminhalt des betr. Artikels verteilt. Die Verluste durch Bruch
der Waren (vgl. S. 101) erstrecken sich auf Materialwert, Löhne
und allgemeine Unkosten; deshalb die prozentuellen Zuschläge zum
Produktionswert. Sie sind nach den Erzeugungsschwierigkeiten und
dem Grade der Zerbrechlichkeit der Fabrikate abzustufen x ).
’) Vgl. Buchführung und Statistik eines Fabrikbetriebes; Jahresbericht der
Kommunalhandelsschule Brüx 1904, S. 34.