privat- und volkswirtschaftliche Bedeutung der Preisschwankungen.
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Nachdem die Emissionsbank die allgemeine Preistreiberei mit ihren Noten
genährt und damit die Produktionskräfte aufs äußerste angespannt hat/ nach
dem sie beobachten konnte, daß alle Unternehmer, auf die Dauer der Ver
hältnisse rechnend, und die Hausse als einen Beweis des Warenmangels
ansehend, ihre Betriebe erweiterten und Unsummen für neue, größere Maschinen
verausgabten, erinnert sie sich plötzlich wieder ihrer Pflichten als Hüterin
der Goldwährung.
Sie sieht, wie die Münzen zur Goldschmiede wandern, oder falls es
sich um eine nationale Hausse handelt, wie die Banknoten zur Quelle
zurückwandern und das Gold die Grenzen überschreitet. Sie sieht jetzt an
den F o l g e n der Hausse, daß sie zu weit gegangen war mit der Noten
ausgabe. Nicht an der Wirkung (der Hausse), sondern erst
spät, zu spät, an der Rückwirkung (dem Goldexport) erkennt
sie ihren Fehltritt. Die Emissionsbank kümmert sich nicht um die
Warenpreise,- darum wird sie auch die direkte Wirkung ihrer Streiche gar
nicht gewahr. Sie erkennt die Gefahr der Notenüberschwcmmung immer erst
dann, wenn die Dämme durchbrochen sind. Dann erst wird sie sich bewußt,
daß sie zu weit mit der Notenausgabe gegangen ist. Dann aber greift sie
umso gröber zu, und mit dem größten Gleichmut, als ob weiter garnkchts
daran läge, wie jemand, der die Folgen seiner Missetaten nicht am eigenen
Leibe zu spüren braucht, wie ein unverantwortliches Kind, entzieht sie nun
wieder ihre Noten dem Verkehr, gerade kn dem Moment, wo die Bank
noten einen vernünftigen Zweck hätten. (Erleichterung der Hochkonjunktur-
liquidation.)
Aber das Geld hat den Charakter des Wolfes,- es hat nur Mut, wenn
es massenhaft, im Rudel auftreten kann. Sieht es die eigenen Reihen aus
irgend einem Grunde sich lichten, so weicht es auch bald auf der ganzen
Linie,- die Furcht vor der Baisse lähmt seine merkamotorische Kraft, und feig
zieht es sich vom Markte zurück.
Unseres Wissens ist es der Bimetallist Emil de Laveleye gewesen, der zuerst auf die
höchst eigentümliche, für alle in dem Wertglauben Befangenen völlig unerklärliche Erscheinung
aufmerksam machte, daß, wenn man das Geldangebot auf irgend eine Weise, etwa durch den
Übergang von der Bimetallie'zur Monometallie, verkleinert, der Rest des Geldes dann
kaufmännisch unbrauchbar wird und sich kn den Banken konzentriert.
Dieses Gesetz, welches wir das Laveleye'sche oder Bimetallistksche Gesetz nennen möchten,
ist für die Währungstechnik von größer Bedeutung. Es läßt keine Ausnahme zu und wirkt
überall gleichmäßig, ob es sich um Goldwährung, Doppelwährung oder Papierwährung
handelt. Am sinnfälligsten war das Wirken dieses Laveleye'schen Gesetzes vor einigen Jahren
in Argentinien zu beobachten. Hier hatte man beschlossen, einen Teil der Staatseinnahmen
dazu zu benutzen, jährlich einen größeren Betrag des umlaufenden Papiergeldes einzuziehen
und zu verbrennen mit der ausgesprochenen Absicht, auf diese Weise die preise zu drücken,
damit alles recht billig werden sollte!! Das Resultat war, daß im Jahre 1899 zwei
volle Drittel der gesamten Emission von ZOO Millionen (also 200 Millionen) in den
Banken brach lagen und zu einem nie gesehenen niedrigen Zinsfuß zu haben waren. Niemand
konnte das Geld kaufmännisch anwenden,- wer es wagte, hatte regelmäßig Verluste. Mit Aus
nahme der wenigen, die das Laveleye'sche Gesetz kannten, wußte niemand die Erscheinung zu
deuten. Als man im Jahre 1900 mit dem Verbrennen des Papiergeldes aufhörte, ver
schwanden auch sofort die Millionen auf den Banken und ergossen sich auf den Markt. Und