Über die „Grundbegriffe" VIII.
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nicht so leicht gefangen! Wir haben wirklich Mühe, uns auch nur ein
bißchen darüber zu wundern, daß unser nationalökonomisches Denken
an die Hilfe jener Worte so hilflos gebunden ist. Gerade darin muß
nun die Kritik nachhelfen.
Sie hat jenes Verhältnis der bloßen Worte bisher nur als schlichte
Tatsache aufgegriffen; in keiner Weise nach seinem näheren Belang
für die Pflege der Nationalökonomie. Darauf aber kommt es zunächst
an, und dazu ist auch die Bahn frei, jetzt, wo man auf den Popanz
jener Bezeichnung weiter keine Rücksicht mehr zu nehmen braucht.
So erwächst als die Aufgabe, die an erster Stelle zu lösen ist, eine
kritische Würdigung jenes Tatbestandes, Antwort also auf die Frage,
was es in sich schließe, daß in der Nationalökonomie
Eingeborene Fachausdrücke vorhanden sind?
Hier läßt sich nun unseren herkömmlichen Anschauungen eine
Einrede aus der Seele sprechen, deren Widerlegung es erst ermöglicht,
Kritik und Herkommen ins rechte Verhältnis zueinander zu setzen.
So kommt es zum lösenden Wort.
Gegen die Aufgabe selber, die sich die Kritik da zurechtgelegt,
wäre kaum etwas einzuwenden. Allein, eine junge Wissenschaft hat
doch andere Aufgaben, hat Wichtigeres zu tun, als ihrem Gefüge bis
ins kleinste nachzuspüren, ohne rechten Zweck 1 Denn schließlich
mag das Gebaren jener Worte noch so eigenartig sein: seine
Würdigung und Erklärung zusammen könnten doch nur dartun, daß
die Rolle jener Worte so, wie sie nun einmal ist, auch sein muß!
Freilich, ob man die vieberufenen Worte als Leitworte der Forschung
achten soll, darüber läßt sich streiten, der Streit ist längst Tatsache,
u nd die Pflege der Nationalökonomie ist dabei so ziemlich entzwei
gegangen; aber Fachausdrücke, und, weil sie es von jeher waren, also
Eingeborene Fachausdrücke, das sind sie, und das bleiben sie auchl
Diese Einrede hat zweifellos alle Erfahrung in nationalökono
mischen Dingen auf ihrer Seite. Systeme, Methoden, Theorien, das
alles hat in steter Flucht gewechselt: jene Worte sind in ihrer Rolle
geblieben! So muß uns allerdings jede Vorstellung fehlen, wie es
möglich wäre, daß auch da eine Änderung eintritt, worin sie bestünde,
was ihr zum Anlaß würde. Aber wenn uns jede Vorstellung fehlt,
daß dergleichen überhaupt möglich sei, dann verrät sich doch nur
wieder die trügerische Macht der Bezeichnung „Grundbegriffe“.
Man unterschätze die Rückwirkung nicht, die von der Sachlage
ausgeht, daß jene Worte vom Herkommen nun einmal an die Be
zeichnung „Grundbegriffe“ geschmiedet sind. Eines Eindrucks halber,
weil sie als das Unverrückbare erscheinen müssen, tritt diese Be-
v * Gottl-Ottlilienfeld, Wirtschaft als Leben.
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