Full text : Die Volkszählung vom 1. Dezember 1910 sowie die Ergebnisse der Bevölkerungsaufnahmen in den Jahren 1911 bis 1917 im hamburgischen Staate

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IV.  2.  Alter  und  Familienstand.

höchsten  Stand  erreicht.  Erweitert  man  die  Gruppe
der  erwerbsfähigen  Altersklassen  bis  zum  65.  und
70.  Lebensjahre,  so  ergaben  sich  im  Jahre  1910  im
Vergleich  mit  1905,  1900  und  1890  die  folgenden
Anteile:
Von  je  1000  der  Gesamtbevölkerung  standen  im
Alter  von

15—65  Jdhren
1910  1905  1900  1890
Männer  .  341,51  331,79  3  19,89  3  27,33
Frauen  .  339,87  333,u  333,27  326.67

Zus.

681,87  664,98  652,«6  654,00

Abgesehen  von  der  selbstverständlichen  Erhöhung
der  Ziffern  bei  einer  weniger  engen  Abgrenzung  des
Begriffs  der  „produktiven  Bevölkerung“  zeigte  sich
als  weitere  Abweichung,  wie  zu  erwarten  war,  bei
den  15-  bis  70jährigen  das  weibliche  Geschlecht  in
allen  Jahren  in  der  Überzahl.
Die  Altersangaben  der  Personen  des
höchsten  Alters  müssen  mit  großer  Vorsicht
aufgenommen  werden.  Die  Begrenzung  des  Begriffs
ist  ganz  willkürlich;  gewöhnlich  geht  man  von  der
runden  Zahl  des  90.  Lebensjahres  aus.  Im  hamburgischen
  Staate  wurden  1910  im  ganzen  201  Personen ­
  höchsten  Alters  festgestellt,  davon  149
weibliche  und  52  männliche.  Ein  Alter  von  über
100  Jahren  wurde  bei  einem  verwitweten  Manne  und
einer  ledigen  Frau  festgestellt;  vor  1810  war  keine
Person  geboren.  Rund  75  %  dieser  alten  Leute
sind  Frauen,  mehr  als  4 /s  gehören  den  Verwitweten
an.  Daß  bei  den  Verheirateten  die  Frauen  nur  in
einem  Fall  gegen  9  Männer  vertreten  sind,  beruht
hauptsächlich  darauf,  daß  Männer  nicht  selten
noch  im  hohen  Alter  (wieder)  heiraten,  Frauen
dagegen  nur  ausnahmsweise.  Geschiedene  wurden
in  diesen  höchsten  Altersjahren  nicht  vorgefunden;
ein  Mann  im  93.  Lebensjahre  lebte  getrennt.  Der
älteste  als  geschieden  angegebene  Mann  wurde  im
Jahre  1848,  die  älteste  als  geschieden  angegebene
Frau  im  Jahre  1845  geboren.  Von  der  Gesamtzahl
der  im  Jahre  1820  oder  früher  Geborenen  wohnten
179  in  der  Stadt  und  22  auf  dem  Landgebiet.

2.  Alter  und  Familienstand.
Während  von  dem  Altersaufbau  der  Bevölkerung
ein  vollkommen  klares  Bild  zu  erhalten  ist,  ohne
daß  die  Familienstandsgliederung  berücksichtigt
wird,  gewährt  die  Berechnung  des  Anteils  der  Familienstandsgruppen ­
  an  der  Gesamtbevölkerung  ohne
Berücksichtigung  des  Alters  nur  einen  ganz  oberflächlichen ­
  und  leicht  irreführenden  Einblick  in  die  Art
der  Schichtung  der  Gesamtbevölkerung.  Trotzdem
wird  zunächst  zur  allgemeinen  Orientierung  eine
Zusammenstellung  nur  der  Verhältniszahlen  über
den  Familienstand  für  die  Volkszählungsjahre  bis
1875  mitgeteilt.  Gewissermaßen  zur  Korrektur  wird
die  Familienstandsgliederung  der  über  15  Jahre  alten
männlichen  bzw.  weiblichen  Personen  beigefügt.
(Besondere  Familienstandszahlen  der  Erwachsenen.)

15—70  Jahren
1910  1905  1900  1890
349,.%  339,2»  326,28  333,95
350,56  343,50  343,02  336,85
699,90  6  82,75  6  69,30  670,80

Tab.  17.

Von  100  aller  männlichen  bzw.
weiblichen  Personen  waren

Von  100  der  üboi
|  männl.  bzw.  weibl

15  Jahre
Personen

alten
waren

1

Jahre

ledig

verheiratet ­


verwitwet ­


geschieden ­


ledig

verheiratet ­


verwitwet ­


geschieden ­


SS
CS3

i

2

3

4

5

6

7

8

9

IO

Männlich

e  ortsan

wes

ende

Personen

1875  ...

62,12

34,76

2,73

0,39

100

46,34

49.23

3,87

0,56

100

1880  ...

61,04

35,87

2,60

0,49

100

42,70

52,76

3,82

0,72

100

1885  ...

61,68

35,34

2,67

0,31

100

43,os

52,49

3,96

0,47

100

1890  ...

62,13

35,12

2,43

0,32

100

45,14

50,87

3.52

0,47

100

1895  ...

60,72

36,37

2,55

0,36

10(1

42,50

53,24

3,74

0,52

100

1900  ...

60,21

37,08

2,37

0,84

10(1

41,76

54,26

3,47

0,51

100

1905  ...

59,58

37.71

2,32

0,39

100

12,80

53,83

3,31

*0,56

100

1910  ...

58,69

38,54

2,32

0,45

100

42,54

53,61

3,23

0,62

100

Weib

lieh

3  Personen

1875  ...

56,55

33,49

9,34

0,62

100

39,27

46,81

13,06

0,86

100

1880  ...

56,60

33,67

8,95

0,78

100

37,44

48,54

12,90

1,12

100

1885  ...

57,12

33,28

9,19

0,46

100

37,60

48,36

13,38

0,66

100

1890  ...

56,«o

33,94

8,94

0,52

100

37,55

48,83

12,87

0,75

100

1895  ...

56,30

34,28

8,85

0,57

100

37,42

49,09

12,67

0,82

100

1900  ...

55,76

35,02

8,60

0,62

100

36,59

50,20

12,32

0,89

100

1905  ...

54,45

36,44

8,42

0,69

100

35,63

51,49

11,90

0,98

100

1910  ..

52,74

38,12

8,41

0,73

100

34,87

52,54

11,59

1,00

100

1910
männl..
weibl.  .

Wohnbevölkerung

I  58,42

38,82

2,32  0,44  ||100

41,99

54,16

3,23

0,62

100

|  52,70

38,18

8,38  |  0,74  ||  100

34,71

52,69

11,5G

l,Ol|

100

Ein  Blick  auf  die  allgemeinen  Familienstandsziffern ­
  zeigt,  daß  die  Ledigen  wegen  der  nur  für
diese  Gruppe  in  Betracht  kommenden  hohen  Kinderzahl ­
  stets  die  größere  Hälfte  der  Gesamtbevölkerung
bildeten  (58,7  %  der  männlichen  und  52,7  %  der  weiblichen ­
  Bevölkerung).  Die  Anteilsziffern  der  Verheirateten ­
  standen  bei  den  männlichen  und  weiblichen ­
  Personen  einander  sehr  nahe  (38,54  %  und
38,12  %);  dagegen  tritt  der  Stand  der  Verwitweten ­
  beim  weiblichen  Geschlecht  viel  stärker
hervor  (8,41  %  )  als  beim  männlichen  (2,32  %  ).  Auch
die  Anteilsziffer  der  geschiedenen  Personen  war
beim  weiblichen  Geschlecht  (0,73  %)  etwas  höher
als  beim  männlichen  (0,45  %).  Die  zeitliche  Entwicklung ­
  zeigte  seit  1875  bei  beiden  Geschlechtern
eine  Abnahme  der  Anteilsziffern  der  ledigen  und
verwitweten  Personen  und  eine  Zunahme  bei  den
verheirateten  und  geschiedenen  Personen.  Diese
Entwicklung  erleidet,  beim  männlichen  Geschlecht
seit  1895  und  beim  weiblichen  seit  1885  keine
Unterbrechung.  Ein  wesentlich  anderes  Bild  bietet
die  Betrachtung  der  besonderen  Familienstandszahlen ­
  der  Erwachsenen.  Hier  waren  die  Verheirateten ­
  mit  mehr  als  der  Hälfte  aller  erwachsenen ­
  Personen  beider  Geschlechter  vertreten,
und  zwar  beobachten  wir  bei  den  weiblichen  Personen ­
  seit  1885  eine  ständige  Erhöhung  der  Anteilsziffer ­
  dieser  Gruppe,  während  die  Zunahme  bei  den
männlichen  Personen  viel  unregelmäßiger  erfolgte
und  seit  1900  sogar  abzubröckeln  beginnt.  Auch  die
Entwicklung  der  Anteils  Ziffern  bei  den  Gruppen  der
verwitweten  und  geschiedenen  Personen  wies  bei
dem  weiblichen  Geschlecht  eine  größere  Regelmäßigkeit ­
  auf  als  beim  männlichen.  Die  auf  die  Wohnbevölkerung ­
  berechneten  Zahlen  weichen  nur  wenig
von  den  Anteilsziffern  der  ortsanwesenden  Bevölkerung ­
  ab.
            
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