fullscreen : Der Salzhandel, die Salinen und Salzbergwerke Württembergs im 19. Jahrhundert

bringend  zu  gestalten.  In  früherer  Zeit  hatte  die  Saline  Sulz  für  die  Salzversorgung ­
  Württembergs  eine  große  Bedeutung;  durch  die  im  19.  Jahrhundert
erstandenen,  im  nördlichen  und  südlichen  Württemberg  gelegenen  Salinen  ist  jedoch ­
  die  Bedeutung  der  Saline  Sulz  sehr  zurückgedrängt  worden.  Als  im
Jahre  1909  die  württ.  II.  Kammer  den  Beschluß  faßte,  die  Saline  Sulz  wegen
ungenügender  'Finanzerträge  aufzuheben,  gelang  es  der  Stadt  Sulz  nach  lebhaftem ­
  Einspruch  diesen  Beschluß  rückgängig  zu  machen.
Zn  den  ältesten  Salinen  Deutschlands  zählt  die  Saline  zu  Schwäbisch-Hall,
worüber  uns  als  älteste  Urkunde  ein  aus  dem  Jahre  1231  stammendes  Schriftstück ­
  erhalten  ist,  in  welchem  König  Heinrich  VII.  dem  Kloster  Denkendorf  einen
Siederanteil  der  Saline  Hall  zum  Geschenk  machte.  Zu  Anfang  des  14.  Jahrhunderts ­
  ist  die  Saline  überwiegend  im  Besitz  von  Bürgern  der  Stadt  Hall,
die  meist  dem  Stadt-  oder  Landadel  angehörten.  Noch  ini  14.  Jahrhundert
machten  die  Besitzverhältnisse  der  Saline  eine  bemerkenswerte  Wandlung  durch.
Es  entwickelte  sich  ein  Lehnsystem,  ans  Grund  dessen  die  „Herren"  die  Salzpfannen ­
  an  Bürger  in  Erbpacht  gaben.  Den  „Herren",  die  rechtlich  in  der
Institution  des  „Lehnrates"  vertreten  waren,  stand  die  Erbsiederschaft  als  Pachtnehmerin ­
  gegenüber,  an  deren  Spitze  der  Erbsulmeister  stand.  Aus  der  Erbsiederschaft ­
  kam  im  17.  Jahrhundert  das  sogenannte  „Haalgericht"  zur  Entwicklung, ­
  das  in  der  damaligen  freien  Reichsstadt  Hall  die  Gerichtsbarkeit  über  die
Salzsieder  ausübte.  Erst  in  den  ersten  Jahrzehnten  des  19.  Jahrhunderts  gelangte ­
  das  „Haalgericht"  zur  Aufhebung.  Im  Laufe  der  Zeit  hatten  sich  durch
Erbgang  unter  den  Salzsiedern  die  Besitzanteile  äußerst  zersplittert,  so  daß  die
Besitzverhältnisse  wenig  übersichtlich  waren.  Nachdem  die  freie  Reichsstadt  Hall
an  das  württembergische  Kurfürstentum  gefallen  war,  ging  die  kurfürstliche
Regierung  mit  dem  Gedanken  um,  zur  Durchführung  eines  geplanten  Salzmonopols ­
  die  Saline  Hall  zu  erwerben.  Anfangs  sträubten  sich  die  Erbsieder
gegen  den  Verkauf  ihrer  Anteile,  zuletzt  aber  traten  sie  doch  ihre  Besitzrechte
durch  den  Hauptvertrag  vom  17.  August  1804  auf  Grund  besonderer  Kaufbriefe ­
  an  die  Regierung  ab.  Zeigte  die  Regierung  anfangs  durch  Ausbau  der
Saline  reges  Interesse  für  diese,  so  erlahmte  es  jedoch  bald,  als  die  Sole  in
ihrer  Ergiebigkeit  beträchtlich  nachließ.  Dies  gab  den  Erbsiedern  zu  beweglichen
Klagen  gegen  die  Regierung  Anlaß,  da  sich  die  Salzsieder  in  den  ihnen  jährlich
zu  zahlenden  Entschädigungen  benachteiligt  fühlten.  Erst  als  es  im  Jahre  1821
gelang,  in  der  Nähe  von  Hall  ein  neues  Salzlager  zu  erschließen,  besserten  sich
die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  der  Saline,  die  nun  gewissermaßen  eine  Neugründung ­
  erfuhr.  Gegen  Ausgang  der  1870  er  Jahre  erfuhr  die  Saline  Hall
nochmals  einen  bedeutenden  technischen  Ausbau,  sodaß  insgesamt  6  Siedehäuser
im  Betrieb  standen.  Die  Finanzlage  der  Saline  Hall  wurde  dauernd  dadurch
ungünstig  beeinflußt,  daß  laufend  an  die  Erbsieder  jährlich  Entschädigungen  zu
zahlen  sind,  die  1905  noch  86  865,00  M.  betrugen.  Infolge  der  in  den  letzten
beiden  Jahrzehnten  in  Deutschland  entstandenen  modernen  großen  Salinen  ist
der  Wettbewerb  für  die  geographisch  nicht  günstig  liegende  Saline  Hall  schwierig
geworden,  zumal  die  Betriebsmittel  keine  sehr  großen  sind.
Die  Kgl.  Saline  Clemenshall,  die  heute  der  Kgl.  Saline  Friedrichshall
angegliedert  ist,  wurde  im  Jahre  1757  bei  dem  Dorfe  Offenau  am  Neckar,  unweit ­
  von  Friedrichshall,  von  einer  privaten  Gesellschaft  gegründet.  Das  Gebiet
befand  sich  um  jene  Zeit  im  Besitz  des  Deutschmeisterordens,  das  nach  seiner
            
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