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In Wahrheit können indessen auch hier individualistische
und universalistische Auffassung nicht zusammenkommen. Würde
selbst der individualistisch aufgefaßte Preis zu einer „Vertei
lung" führen, so wäre diese doch wieder eine durchaus indivi
dualistisch gedachte, eine solche, die aus den souveränen Tausch-
Handlungen der Einzelnen folgt! Wenn der Preis sich aus
dem Tun Einzelner ergibt, dann ergibt sich auch die
Verteilung aus dem Tun Einzelner, sie summiert sich, aus
vielen einzelnen Tauschakten, Preisbildungen; die selbstwüchsigen
Handlungen sollen plötzlich statt eines Chaos eine geordnete,
volkswirtschaftliche Verteilung ergeben! Die alten individuali
stischen Klassiker erkannten auch offen dieses Rätsel an. Sie
priesen den glücklichen Zufall, daß durch den Eigennutz der
Einzelnen nicht ein Chaos herauskäme und nannten das „prä-
stabilierte Harmonie" (vgl. oben S. 8 u. 10). Nach diesen:
Grundsätze hat denn auch Ricardo, hat die Grenznutzenlehre,
haben alle anderen Individualisten die Verteilungserschei
nungen erklärt! Die Verteilung ergibt sich ihnen (um es zu
wiederholen) n a ch t r ä g l i ch , d. h. 1. durch Zusammen
setzung der einzelnen Handlungen; 2. nachdem im individuellen
Tausche die Preise sich bildeten und 3., nachdem die Erzeugnisse
schon selbstwüchsig erzeugt waren, wie beim Fabrikanten, bzw.
schon selbstwüchsig weiter bewirtschaftet waren (wie dein:
Händler oder Bankmann), also nachdem fertige Güter jeweils
schon da sind. Die Individuen machen hier die Verteilung —
freilich unbewußt und ungewollt. 4. Von der Preisseite
her ausgedrückt, heißt dies: Die Preise bestimmen
die Verteilung. Sie bestimmen dadurch ferner auch das,
was sich (nach individualistischer Betrachtungsweise) nach
träglich als die organische Verbindung der einzelnen Wirtschafts
zweige herausstellt, und zwar soll dies nach dem „mechanischen"
Gesetz von Angebot und Nachfrage erfolgen, indem die weniger
versorgten Wirtschaftszweige große Profite, die mehr ver-