50. Der Verkehr zwischen Geld- und Effektenmarkt. 219
Produzenten für die geliehenen Kapitalien mehr zahlen als diese ihnen
in der Unternehmung tragen, und umgekehrt würde ein stärkeres Ueber-
gewicht der ursprünglichen Rapitalgewinne über den zu bezahlenden
Leihzins nicht verfehlen die Unternehmer zu verstärktem Bedarf nach
Leihkapital zu veranlassen, wodurch die Marge zwischen Zins- und
Gewinnrate bald ausgeglichen würde."
Wenn diese Lehre zutreffen würde — was hier nicht untersucht
werden soll —, würde der Zusammenhang zwischen Leihzins und Un
ternehmergewinn auf einem Moment beruhen, das für den Renten-
zins nicht in Betracht kommt,- denn die Verzinsung der Rentenwerte
ist — wenn man von den Obligationen der Industrie- und Verkehrs
gesellschaften absieht — vom ursprünglichen Rapitalzins unabhängig.
Die IRittel des Geldmarkts sind ferner sowohl durch die Roten-
ausgabe wie durch die Schaffung von Rreditbankengeld erweiterungs-'
fähig, die Mittel des Kapitalmarktes dagegen weit geringerer Aus
dehnung fähig,- der Hauptstrom kommt dem Rapitalmarkt aus den zur
Anlage verfügbaren neuen Sparkapitalien zu und Erweiterungsmög- !
lichkeit ist nur durch Heranziehung von Geldmarkt- und Auslands- !
Mitteln gegeben, vie Frage mutz sich darum auswerfen, wie sich un
geachtet dieser beiden Momente die Parallelbewegungsrichtung von
Leih- und Rentenzins erklärt.
Zwischen Geld- und Rentenmarkt besteht eine Verbindung in
der Zeit der Depression und der Hochkonjunktur,- ist der Zins für Effek-
tenkredit niedriger als der Zinsertrag der Renten, am Rurswert ge
messen, so besteht die Tendenz zum spekulativen Rentenkauf mit Leih
geld,- ist die Vergütung für Einlagen bei den Banken gleich oder höher
als der Zinsertrag der Renten, am Rurswsrt gemessen, so wird man- j
eher, der sonst Renten zu kaufen gewohnt war, sein Spareinkommen
bei einer Lank hinterlegen. Zm ersteren Fall werden dem Rapital- |
markt Mittel des Geldmarkts, im zweiten dem Geldmarkt Mittel des
Rapitalmarkts zugeführt. Durch diese Zuflüsse am Anfang und Ende
der Ronjunkturen werden parallele Bewegungsrichtungen des Geld
markt- und Rentenzinses, aber nicht eine Ausgleichung beider her
vorgerufen,- die Bewegungen des Rentenzinses sind ungleich lang
samer als jene der Geldmarktrate. Auch bei Geldflüssigkeit können nur
kleine Quoten des ganzen Rentenmaterials von der Spekulation er
faßt werden- in Epochen geringen ^Kapitalbedarfs mag dies freilich
ausreichen die Rurse stark hinauf und damit den Rentenertrag für den
Neuerwerber herabzusetzen: in Epochen starker Rapitalnachfrage da
gegen benützen öffentlichrechtliche Rörperschaften und Hypotheken-