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(ist) a potiori [ist] die Gewährung eines Superadditums von
Chance dafür: daß bestimmte Erwartungen nicht enttäuscht
werden . . Sollte das Recht wirklich nicht mehr sein? Und
das „Superadditum von Chance dafür: daß bestimmte Erwartungen
nicht enttäuscht werden", ist überdies ein rein —
individualistischer Begriff, denn nur Rechte von psychologisch
betrachteten Subjekten könnten dahin bestimmt werden! Mar
Weber hat auch nicht bemerkt, daß er dadurch im besten Falle
psychologische Gefühle, die sich bei Nechtsvorgängen abspielen,
hervorhebt, keinesfalls aber den Begriff des Rechtes selbst
— als eines Teilganzen der Gesellschaft — damit berührt.
(Vgl. auch Kelsens Kritik in der „Itschr. f. Volksw.", Wien
1921.)
Ähnliches gilt gegenüber dem Begriff der Nation, die zunächst
dadurch bezeichnet sein soll, „daß gewissen Menschengruppen
ein spezifisches Solidaritätsempfinden anderen gegenüber
zuzumuten sei . . ." (S. 627) — eine wertlose
Scheindefmrtion, die schon in dem Worte „spezifisch" die ganze
Denkaufgabe ohne Scheu ungelöst zurückläßt.
Als Geschichtsforscher hat M. W. gewiß seine ernstesten
Leistungen aufzuweisen, aber auch da ist sein Streben oft verneinend.
Seine berühmt gewordene Erklärung der Entstehung
des Kapitalismus aus einer asketisch-religiösen Einstellung (der
kalvinistischen Ethik mit ihrer Prädestinationslehre) ist nicht nur
paradox und heißt, aus dem Feuer die Kälte erklären, ist nicht
nur geschichtlich falsch (wie Rachfahl, Brentano, Th. Mayer
nachwiesen), sondern sie ist auch, was viel mehr bedeutet, von
zerstörender, von geradezu dämonischer Art, indem sie die Religiosität
wie in einem Zerrspiegel, wie in äußerlicher Fratzenhaftigkeit
empfinden läßt. Damit kommen wir zu dem
schlimmsten Teile des Buches, zur Religionssoziologie.