Full text : Tote und lebendige Wissenschaft

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(ebenda)  —  wahrlich  eine  großartige  Intuition
über  religiöse  Berufung!
Von  der  Verbindung  der  Religiosität  mit  der  Sittlichkeit
spricht  Mar  Weber  in  dieser  Tonart:  „Ganz  der  Realität
der  Dinge  im  Leben  entsprechend,  ist  der  Hüter  der  R  e  ch  t  s  -
ordnung  keineswegs  notwendig  der  stärkste  Gott:  weder
Varun'a  in  Indien,  noch  Maat  in  Ägypten,  noch  weniger
Lykos  in  Attika  oder  Dike  oder  Themis  und  auch  nicht  Apollon
waren  dies.  Nur  ihre  ethische  Qualifikation  (!)...  zeichnet
sie  aus.  Aber  nicht  weil  er  ein  Gott  ist,  schützt  der  „ethische"
Gott  die  Rechtsordnung  .  .  .  Sondern  weil  er  nun  einmal
diese  besondere  Art  von  Handeln  in  seine  Obhut  genommen
hat*)."  —  Ein  materialistisches  Zerrbild  religiösen  Wesens,
wie  es  trauriger  nicht  gedacht  werden  kann.
In  Bezug  auf  das  Verhältnis  der  Religion  zu  den  Klassen
und  Ständen  heißt  es  u.  a.:  Gnosis,  Manichäismus  waren
„Jntellektuellenkulte"  (S.  280),  „der  Fraueneinfluß  pflegt
nur  die  emotionellen,  hysterisch  bedingten  Seiten  der  Religiosität ­
  zu  steigern"  (ebenda).  Die  „Bedeutung  der  Erlösungsreligiosität ­
  für  die  .  .  .  negativ  privilegierten  Schichten  im
Gegensatze  zu  den  positiv  privilegierten  .  .  ."  wird  dahin  bestimmt, ­
  „daß  das  Würdegefühl  der  höchst  privilegierten  .  .  .
Schichten,  speziell  des  Adels  ...  auf  dem  Bewußtsein  der  „Vollendung" ­
  ihrer  Lebensführung  als  eines  Ausdruckes  ihres
qualitativen,  in  sich  beruhenden,  nicht  über  sich  hinaus  weisenden ­
  „Sein  s"  ruht,  und,  der  Natur  der  Sache  nach,  ruhen
kann,  jedes  Würdegefühl  negativ  Privilegierter  dagegen  auf
einer  ihnen  verbürgten  „Verheißung",  die  an  eine  ihnen  zugewiesene ­
  „Funktion",  „Mission",  „Beruf"  geknüpft  ist?)."  „Der
Hunger  nach  einer  ihnen  ...  nicht  zugefallenen  Würde  schafft
diese  Konzeption,  aus  welcher  die  rationalistische  Idee  einer

0  S.  244  f.
r)  S.  280  f.
            
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