Contents: Laienbrevier der National-Ökonomie

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7. Kapitel 
lohnt, waren zu schicken, und oft kommt es so, daß 
gerade dort, wo die Preise am höchsten waren, ein 
Preissturz früher einsetzt als anderswo. 
Natürlich kommt bei allem Einfluß des Gefühls 
immer einmal ein Punkt, wo die Tatsachen stärker sind 
und ersteres korrigieren. 
Line Ware kann dauernd nicht unter ihrem Pro 
duktionskostenpreis verkauft werden, wobei allerdings 
zu berücksichtigen ist, daß dieser nach unten hin außer 
ordentlich dehnbar ist- auf der andern Seite kann auch 
die stärkste Hausse-Meinung keinen Zusammenbruch der 
Preise verhüten, wenn eine Gegenmine auftritt, bei 
der sich die Meinung mit den Tatsachen einer Über 
produktion, resp. eines Unterkonsumes, deckt. Ģter reden 
die Trümmer aller verkrachten „Torner", von denen die 
Kaufmannswelt zu reden weiß, eine deutliche Sprache. 
Gerade an diesem Gegenspiel zwischen Hausse- und 
Baisse-Spekulation kann man sehen, daß es sich im Grunde 
vielmehr um einen Handel in Meinungen als in waren 
handelt. Und wenn hiergegen eingewandt wird, daß 
sei eigentlich gar kein legitimer Handel mehr, so muß 
hervorgehoben werden, daß er sehr viel solider ist, als 
der alte legitime Handel es je war. 
Der altmodische Kaufmann vor 70—80 Jahren 
kaufte z. B. Baumwolle in Neuorleans, befrachtete 
ein Schiff und sandte die Ware zum verkauf nach 
Liverpool, Hamburg, Havre oder wo immer er glaubte, 
einen guten Markt zu haben. 
Damit war er allen Zwischenfällen ausgesetzt, die 
sich in den 8 bis 10 Wochen ereignen konnten, während 
die Baumwolle auf dem Gzean schwamm, ja, der Zeit 
raum des Risikos war noch größer, denn seine Ein 
kaufspreise waren nach Notierungen aus den Konsum-
	        
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