Contents: Leben und Lehre des Buddha

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VI. Die Lehre des Buddha. 
des Christentums, die Feinde zu lieben, nicht gestellt hat. Er lehrt 
nur, nicht Haß mit Haß zu vergelten und denen wohl zu tun, die 
uns hassen. Es heißt im Dhammapada: „Glücklich leben wir 
feindschaftslos unter Feinden; feindschaftslos leben wir unter feind 
lichen Menschen." „Durch Nichtzürnen überwinde man den Zorn; 
das Böse überwinde man mit Gutem; den Geizigen überwinde 
man mit Gaben; durch Wahrheit überwinde man den Lügner." 
„Nicht durch Feindschaft kommt in dieser Welt je Feindschaft zur 
Ruhe; durch Nichtfeindschaft kommt sie zur Ruhe. Das ist das 
ewige Gesetz " Mehr als nach christlicher Lehre wird nach bud 
dhistischer dem Frommen Belohnung in Aussicht gestellt, und 
der Buddhist denkt an sie, wenn er Gutes tut. Aber in der 
Praxis gibt es im Buddhismus nicht weniger uneigennützige Fromme 
als im Christentum. 
Es ist auch nicht richtig, wie Harnack tut, den Buddhismus 
eine Religion zu nennen, die „nicht aus einem Prinzip handelt", 
und in der „im Grundgedanken zu wenig, in den einzelnen Gesetzen 
zu viel normiert ist". Der Grundgedanke des Buddhismus ist die 
Naitri, Pali Llsttä. DieNsttäist weder Mitleid, noch Freund 
schaftsgefühl, sondern die christliche Liebe. Mitleid ist Karunä, 
und Freundschaftsgefühl ist Nuckitü, die beiden auf Mettä fol 
genden „Unermeßlichen". Karunä ist das „Traurigsein mit den 
Traurigen", Vluäita das „Sichfreuen mit den Fröhlichen". Sie 
ergeben sich aus der Llottä. Und die Aettä wiederum wird im 
Herzen des Menschen erzeugt dadurch, daß er „Liebe (Raga) und 
Haß (Dosa) aufgibt." Raga ist die sinnliche Liebe, das Hängen 
an den Dingen dieser Welt, an Weib und Kind, an Hab und Gut, 
an den Freuden und Genüssen des Lebens. Nottä ist die Näch 
stenliebe, die alle Wesen umfaßt, und die nur der erlangt, der sich 
von Raga und Dosa frei macht. Nur dieser tritt in den Besitz 
der vierten „Unermeßlichen", der Upekkhä (Sanskrit Upeksä), 
des „Gleichmuts". Das Ideal dieser Tugend wird uns mit 
den Worten geschildert, die Buddha selbst in den Mund gelegt 
werden: „Die mir Schmerz zufügen und die mir Freude be 
reiten, gegen alle bin ich gleich; Anteilnahme und Unwillen finden 
sich bei mir nicht. Freude und Schmerz, Ehre und Unehre halten 
sich in mir die Wage; gegen alles bin ich gleich; das ist die Voll 
endung meines Gleichmuts (Upekkhä)." Auf dieser Stufe ist 
der Mensch von den Leidenschaften erlöst und des ewigen Todes 
sicher (S. 74).
	        
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