Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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mit  Nominalobligationen,  sowie  1  Kasten  mit  Zinskupons.  Delbrück
hatte  mehrere  Wagen.  Der  Bagagewagen  wurde  von  6  Pferden
gezogen,  bei  Steigungen  und  im  Morast  sogar  von  8  bis  10  Pferden.
Die  Last,  die  er  führte,  und  die  doch  nach  der  Stückzahl  und  dem
Inhalt  zu  schließen  zum  größeren  Teil  auf  Obligationen  und  Kupons
entfiel,  läßt  sich  hiernach  bemessen.  Man  darf  pro  Pferd  durchschnittlich ­
  8  Zentner  rechnen.  Wenn  nun  im  Frankfurter  Bankhaus  noch
außerdem  eine  verhältnismäßig  große  Zahl  von  Obigationen  und
Kupons  —  in  der  Regel  handelte  es  sich  bei  den  Partialobligationen
um  Stücke  ä  1000  fl  —  aufbewahrt  waren,  so  fragt  man  mit  Recht,
wo  denn  diese  Effekten  hergekommen  sein  sollen,  und  aus  welchem
Grunde  der  peinlich  besorgte  geizige  und  mißtrauische  Kurfürst
einen  so  großen  Teil  seiner  Wertpapiere  bei  Rothschild  ließ,  während
es  ihm  doch  gar  nicht  an  Gelegenheit  fehlte,  alles  an  sich  zu
ziehen.  Meyer  Amschel  hatte,  wie  wir  oben  sahen,  einen  Teil  der
Effekten  von  Hamburg  nach  Prag  geschafft.  Sein  Sohn  verkehrte
regelmäßig  mit  dem  Kurfürsten  und  bediente  sich  dabei  eines
Wagens,  der  ein  Geheimfach  enthielt.  Es  wäre  völlig  unverständlich,
daß  der  Kurfürst  nicht  wie  in  allen  anderen  Fällen  (s.  o.  S.  74—76)
die  bei  Rothschild  befindlichen  Obligationen  wenigstens  nach  und
nach  in  sein  Refugium  hätte  bringen  lassen.  Ich  behaupte  demnach
mit  guten  Gründen:  Der  Kurfürst  hat  bei  seiner  Flucht
Meyer  Amschel  Rothschild  nicht  sein  Vermögen,  auch
nicht  einen  Teil  desselben,  zur  Aufbewahrung  übergeben, ­
  und  das  Haus  Rothschild  verdankt  nicht  einem
derartigen  Zufall,  wie  alle  Welt  bisher  angenommen
hat,  seinen  Reichtum  und  seine  Macht,  vielmehr  ist
dessen  Wachstum  wie  auch  seine  Vertrauensstellung
beim  hessischen  Fürstenhaus  nur  langsam  und  durch
zähe  Ausdauer  gefördert  worden.  Nicht  vor,  sondern
während  der  Exilzeit  haben  die  Rothschild  durch  ihre  Treue,
Anhänglichkeit  und  Leistungsfähigkeit  dasjenige  Maß  von  Vertrauen ­
  beim  hessischen  Fürstenhaus  erworben,  das  auch  die
Legende  ihnen  zuschreibt 231 .
Es  fragt  sich  noch:  wie  erklären  sich  die  zunächst  auffallend
erscheinenden  Bemerkungen  Nathan  Mayers?  Uns  will  es  scheinen,
daß  der  betreffende  Passus  ironisch  aufzufassen  ist.  Die  tatsächliche
Grundlage  der  Erzählung  bildet  der  oben  geschilderte  allmähliche
Ankauf  von  englischen  Konsols  für  den  Kurfürsten,  und  wenn  die
            
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