Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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nur,  was  zu  damaliger  Zeit  etwas  selbstverständliches  war,  indem
man  ohne  das  mit  dem  Kurfürsten  überhaupt  keine  Geschäfte
machen  konnte.
Nicht  unerwähnt  wollen  wir  lassen,  daß  Rothschild  vor  allem
den  Wucherzins  in  jeder  Form  gründlich  verabscheute.  Es  ist  schon
mehrfach  darauf  hingewiesen,  welche  Geldnot  im  Anfang  des  vorigen
Jahrhunderts  herrschte.  Es  gab  Zeiten,  wo  jeder  Bankier  mit  seinem
Gelde  leicht  10°/o  machen  konnte.  In  solch  einem  Zeitpunkt
wandte  sich  auch  der  geldverlegene  Kurprinz  an  Rothschild  und
bot  ihm  einen  Zinsfuß  von  8  und  mehr  Prozent  für  Gewährung
eines  Leihkapitals  an.  Rothschild  fühlte  sich  tief  in  seinem  Ehrgefühl
verletzt.  Er  setzte  dem  Kurprinzen,  der  ihn  noch  nicht  genügend
kannte,  seine  Grundsätze  auseinander  und  begnügte  sich  mit  einem
Zinsfuß  von  5°/o.
Rothschild  war  ein  Menschenfreund.  Das  zeigt  schon  seine
Neigung  für  Kinder,  die  er  auch  gern  durch  Geschenke  erfreute.  Auf
seinen  Reisen  durchs  Hessische  traf  er  gegen  Ende  des  Jahres  1803
in  Marburg  einen  dreizehnjährigen  jüdischen  Knaben  aus  Galizien,
der  sein  Brot  durch  Absingen  hebräischer  Lieder  verdiente.  Aus
Mitleid  nahm  er  ihn  mit  nach  Frankfurt  und  vertraute  ihn  seinem
Buchführer  Geisenheimer  an.  Geisenheimer  sammelte  für  den  Knaben,
um  ihm  Erziehung  und  Unterricht  angedeihen  zu  lassen.  Bald  hatte
er  mehr  Geld  zusammen,  als  für  einen  Knaben  nötig  war.  Jetzt
verband  er  sich  mit  gleichgesinnten  Männern  und  gründete  mit
ihnen  das  Philanthropin,  die  noch  heute  bestehende  Realschule  der
Israelitischen  Gemeinde.  Ursprünglich  war  diese  Schule  für  arme
Judenkinder  gedacht.  Denn  den  Kindern  bemittelter  Juden  fehlte
es  damals  schon  nicht  mehr  an  Gelegenheit  zu  gutem  Unterricht.
Das  Gymnasium  und  die  Musterschule  standen  ihnen  offen.  Auch
hielten  sich  die  wohlhabenden  Juden  nicht  selten  Hauslehrer.  Im
Hause  Rothschilds  z.  B.  war  Dr.  Michael  Heß  als  Erzieher  angestellt,
der  später  Oberlehrer,  d.  h.  Leiter  des  Philanthropin  wurde  235 .
Im  übrigen  war  Rothschilds  Menschenfreundlichkeit  mehr  dem
Privatleben  als  der  Öffentlichkeit  gewidmet.  Seine  Wohltätigkeit  und
Hilfsbereitschaft  wird  von  allen  Seiten  gepriesen.  „Der  alte  Rothschild“, ­
  sagt  Börne,  „war  ein  braver  Mann,  die  Frömmigkeit  und
Gutherzigkeit  selbst  .  .  .  Beständig  umgab  ihn,  wie  ein  Hofstaat,
ein  Haufen  armer  Leute,  denen  er  Almosen  erteilte  oder  mit  gutem
Rat  zusprach ;  wenn  man  auf  der  Straße  eine  Reihe  von  Bettlern
            
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