Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

164

zugedachte  Kapital  war  nur  zum  lebenslänglichen  Nießbrauch  und
Nutzgenuß  bestimmt.  Es  sollte  gegen  5  °/o  Zinsen  in  der  Handlung
bleiben,  jedoch  ohne  Kaution  und  nur  solange  die  Söhne  es  behalten ­
  wollten.  Nach  dem  Tod  der  Witwe  sollte  das  Kapital  unter
sämtliche  Kinder  gleichmäßig  verteilt  werden.
Die  Handlung  sollte  ausschließlich  den  Söhnen  gehören,  Töchter
und  Schwiegersöhne  sollten  keinen  Anteil  daran  haben  noch  weniger
eine  Forderung  machen  dürfen,  auch  keinen  Einblick  in  dieselbe
verlangen.  Dagegen  sollten  alle  Kinder  sich  mit  steter  wechselseitiger ­
  Liebe  und  Freundschaft  begegnen  und  den  Anordnungen
des  wohlgemeinten  und  gewissenhaften  Testaments  sich  mit  kindlichem ­
  Gehorsam  fügen.  „Würde  sich  wider  Verhoffen  ein  oder
das  andere  meiner  Kinder  beigehen  lassen,  dieser  meiner  väterlichen
Willensmeinung  nicht  nachzukommen,  oder  meine  Söhne  in  deren
Handlung  zu  stören,  so  soll  dieses  pflichtvergessene  Kind  nur  in
dem  Pflichtteil,  wohin  alles  dasjenige  aufzurechnen  ist,  was  dasselbe
bereits  bei  meinen  Lebzeiten  an  Ausstattung  und  sonst  erhalten,
eingesetzt  sein,  und  der  Überrest  meinen  übrigen  Kindern  zufallen,
wobei  ich  ausdrücklich  bemerke,  daß  der  nach  dem  Napoleonischen
Gesetzbuch 238  zu  berechnende  Pflichtteil  durch  mein  gegenwärtiges
Vermögen  von  190  000  Gulden,  mit  Zurechnung  dessen,  was  ein
jedes  meiner  Kinder  bereits  bei  meinem  Leben  erhalten,  sowie  in
dem  Wert  des  dem  Nutzgenuß  meiner  Ehegattin  verbleibenden
Mobiliare  sich  ergibt.“
*  *
*
Ein  Bildnis  von  Rothschild  gibt  es  nicht.  Er  fürchtete,  daß
sein  Bild  später  geringschätzig  behandelt  werden  könne,  und  soll
es  deshalb  gemieden  haben,  sich  porträtieren  zu  lassen.  Eine
Frankfurter  Weltdame,  Frau  Belli  geb.  Gontard,  die  Sinn  für  die
äußere  Erscheinung  der  Menschen  hatte  und  Rothschild  aus  seinen
letzten  Lebensjahren  kannte,  schildert  ihn  folgendermaßen:  „Rothschild ­
  war  ein  ziemlich  großer  Mann,  er  trug  eine  runde,  eingepuderte ­
  Perrücke  und  einen  kleinen  Kinnbart,  den  1  ypus  der  Juden
besaß  er  vollständig.  In  seinen  Augen  spiegelte  sich  Verstand  und
Gutmütigkeit,  er  besaß  beide  Eigenschaften.“  289  Ähnlich  äußert
sich  Ludwig  Börne :  „Ein  mildtätiges  Gesicht  mit  einem  spitzigen
Bärtchen,  auf  dem  Kopf  ein  dreieckig  gehörnter  Hut  und  die  Kleidung
mehr  als  bescheiden,  fast  ärmlich.“ 240
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.