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Rothschilds körperliche Zähigkeit und Ausdauer hielt bis ins
Alter der geistigen die Wage. Das zeigt schon die Art seines Ge
schäftsbetriebs. Bis zu seinem 63. Jahre war er nachweislich häufig
auf Reisen, und solche waren damals beschwerlicher als heute.
Im Jahre 1808 erkrankte er heftig, so daß er sich veranlaßt sah,
am 30. Juli sein Testament zu machen. Zwar operierte ihn der
Professor Leydig aus Mainz mit Erfolg. Doch blieb er für den Rest
seines Lebens leidend, und sein Gedächtnis wurde schwach 241 . Im
Jahre 1811 hatte er wieder ein schweres Krankenlager zu bestehen.
Anfang November war er gesund. Später wurde seine Krankheit
von neuem akut. Am 16. September 1812, dem Versöhnungstag,
hatte er nach Cohen vierundzwanzig Stunden gefastet und den
ganzen Tag stehend in der Synagoge zugebracht. Tags darauf
traten heftige Schmerzen an seiner Wunde auf. In Erwartung des
nahen Todes machte er am 17. September vor dem Notar Wüstefeld
und sechs Zeugen ein neues Testament. Beim Minister von Eberstein
ließ er es verwahren. Zwei Tage später, am 19. September, abends
achteinviertel Uhr verschied er und wurde am 20. September um
ein Uhr auf dem alten Israelitischen Friedhof beigesetzt 242 . Dort
ruhen auch seine Vorfahren, aber keiner seiner Nachkommen.