Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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und  ich  durch  diesen  Character  in  Ansehung  meines  Handels
sowohl  als  auch  anderer  Umstände  wegen,  allhier  in  der  Stadt
Frankfurth  mein  Glück  machen  kan.“ 9
Welcher  Art  die  Lieferungen  waren,  von  denen  hier  die  Rede
ist,  und  auf  Grund  deren  Meyer  Amschel  der  Hoffaktortitel  bereitwilligst ­
  zugestanden  wurde,  dafür  finden  wir  einen  Anhaltspunkt
in  einem  anderen  Schreiben,  das  Rothschild  im  Jahre  1789  an
denselben  Regenten  richtete,  der  inzwischen  Landgraf  von  Hessen-Kassel
  geworden  war.  Er  bittet  darin  um  Überlassung  englischer
Wechselbriefe  und  beruft  sich  zur  Unterstützung  seines  Gesuchs
auf  seine  alten  Beziehungen  zum  Landgrafen.  Diese  beschränkten
sich  aber,  nach  dem  Inhalt  des  Schreibens  zu  schließen,  einmal
auf  die  Realisierung  englischer  Wechsel  und  dann  auf  die  Besorgung
von  Münzen  für  das  fürstliche  Kabinett.  Nur  auf  Geschäfte  letzterer
Art  kann  man  den  Ausdruck  „Lieferungen“  in  dem  Schreiben
vom  Jahre  1769  beziehen.  Aus  des  Kurprinzen  eigenen  Aufzeichnungen ­
  geht  nun  hervor,  daß  er  seine  Münzsammlung  bereits  im
Jahre  1763,  ein  Jahr  bevor  er  in  Hanau  einzog,  begonnen  hatte 10 .
Und  in  der  Hanauer  Schatullkassen-Rechnung,  die  leider  in  Marburg
nur  für  die  Zeit  vom  Oktober  1764  bis  Dezember  1765  vorhanden
ist,  treten  Beträge  für  alte  Silbermünzen,  Medaillen,  Medaillentische ­
  und  ähnliches  auf.  Im  Juni  1765  werden  daselbst  einem
Juden  namens  Meyer  38  fl  30  kr  für  Medaillen  ausgezahlt.  Für
damalige  Zeit  darf  es  nicht  auffallen,  wenn  ein  Jude,  obgleich
er  schon  einen  Familiennamen  besaß,  noch  mit  dem  bloßen
Vornamen  genannt  wird.  In  derselben  Schatullkassen-Rechnung
wird  ein  Jude  Amschell  Kahn  aus  Hanau  bald  unter  dem  vollen
Namen,  bald  unter  dem  bloßen  Vornamen  aufgeführt.  Man  darf
daher  annehmen,  daß  mit  dem  Namen  Meyer  der  Rufname  Meyer
Amschel  Rothschilds  gemeint  ist  und  daß  jener  kleine  Umsatz
von  38  fl  30  kr  das  erste  Geschäft  war,  das  Rothschild  mit
dem  Erbprinzen  machte.  Zwei  Monate  vorher,  im  April  des
Jahres  1765,  waren  Serenissimus  nach  Ausweis  der  Schatullkassen-Rechnung
  drei  Mal  zur  Messe  nach  Frankfurt  gereist.  Das  war
Gelegenheit  genug,  um  mit  dem  Münzhändler  Rothschild  in  Beziehung ­
  zu  treten.  Und  da  letzterer  im  Brief  vom  Jahre  1789
selbst  sagt,  daß  die  Münzlieferungen  seit  vielen  Jahren  stattfanden ­
  11 ,  so  darf  man  den  Schluß  ziehen,  daß  es  Lieferungen  für
das  fürstliche  Münzkabinett  waren,  wodurch  Rothschild  sich  beim
            
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