Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

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[2.  Schreiben  der  M.  A.  Rothschild  &  Söhne  vom
12.  Mai  1814,  Carlshausensches  Archiv.]
Hochwohlgebohrner
gnädiger  Herr  Geheime  Rath!
Hochdieselben  haben  die  Gnade  gehabt,  uns  die  Anzeige  zu  machen,
dass  in  den  nach  Cassel  beförderten  Kisten  mit  Akten  sich  Darmstättische
  Zins  Coupons  vorgefunden  hätten,  und  tragen  uns  auf,
Ew.  Hochwohigeborne  das  Näheren  zu  unterrichten,  wie  diese  Coupons ­
  in  die  Kisten  hin  ein  gekommen  wären.
Wir  müssen  Ew.  Hochwohigeborne  an  den  Vorfall  erinnern,
der  Hochdenenselben  noch  nicht  aus  den  Gedächtnis  gekommen
seyn  wird,  als  vor  etwa  sechs  bis  sieben  Jahren  unser  Haus  mit
Gewalt  durchsucht  wurde,  und  man  sich  das  darinn  befindliche
Eigenthums  Seiner  Kurfürstlichen  Durchlaucht  bemächtigen  wollte.
Als  wir  nun  in  der  Verwirrung  die  ein  solches  Ereignis  zur
Folge  haben  musste  auf  nichts  anderes  bedacht  hatten  als  wie  nur
das  uns  gnädigst  anvertraute  Gut  mit  der  größten  Schnelligkeit
in  Sicherheit  gebracht  werden  konnte,  als  wir  deshalb  ohne  Bedenken ­
  unser  ganzes  Haus  Preis  gaben  und  eigenen  Verlust  gering
achteten,  wenn  es  uns  nur  gelänge,  das  Kurfürstliche  höchste
Eigenthum  zu  retten,  da  geschahe  es  daß  diese  Coupons  mit  in
die  Kisten  kamen  und  mit  denselben  auf  die  Seite  geschafft  wurden.
Ew.  Hochwohlgebohrnen  wissen  daß  wir  in  frühern  Zeiten
für  den  Darmstättischen  Hof  ein  Anlehen  negocirt  haben,  wir
brachten  nicht  alle  Obligationen  an  Mann,  und  sandten  also  selbe
zurük  indem  wir  jedoch  die  Coupons  dieser  nicht  begebenen  Obligationen ­
  bei  uns  behielten  damit  von  den  Papieren  kein  Gebrauch
gemacht  werden  könne.
Diese  Coupons  sind  die  Nähmliche  welche  sich  in  den  Actenstüken
  nun  mehr  gefunden  haben,  und  welche  Ew.  Hwohlgebornen
gelegentlich  an  uns  retourniren  zu  lassen  die  Gnade  haben  wollen.
Wir  bitten  Hochdieselben  um  Vergebung  der  Mühe  die  wir
dadurch  verursachen,  und  haben  die  Ehre  mit  ausgezeichneter
Hochachtung  zu  verharren
Ew.  Hochwohlgebornen
gehorsamste  Diener
Ffurt  den  12.  Mai  1814.  .  :  Mayer  Amschel  Rothschild  &  Söhne
[Äußere  Adresse:]  Sl  Hochwohlgebohren
Dem  Kurfürstl.  Hessischen  Herrn  Geh.  Rath  Freyherrn
von  Carlshausen

Hessen-Cassel
            
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