Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

ebenso  war  das  Kapital  am  1.  Februar  1815  an  ihn  zurückzuzahlen.
Man  muß  auch  annehmen,  daß  Rothschild  in  Wirklichkeit  noch  mehr
dänische  Stückzahlungen  an  die  hessische  Kriegskasse  zu  bewirken
hatte,  als  aus  den  Akten  festgestellt  werden  konnte.
Die  Krone  Dänemark  hatte  natürlich  selbst  ein  Interesse  daran,
daß  ihre  Stückzahlungen  in  dänische  Obligationen  umgewandelt
wurden,  sie  war  die  Triebfeder  für  dieses  Verfahren.  So  kam  es,
daß  Rothschild  die  Konkurrenz  anderer  mit  dänischen  Stückzahlungen
betrauter  Firmen,  der  Rüppell  &  Marnier  und  Moses  Joseph  [Büdingj’s
zu  bestehen  hatte.  Auch  diese  Bankherren  boten  dänische  Obligationen ­
  an  Stelle  der  dänischen  Kapitalrückzahlungen  an.  Im
November  1804  machten  beide  Firmen  sogar  ein  gemeinsames  Gesuch ­
  und  erboten  sich,  dieselbe  Summe  wie  Rothschild  für  milde
Stiftungen  an  die  kurfürstliche  Kabinettskasse  abzugeben.  Es  wurde
aber  auf  ihre  Vorschläge  nicht  eingegangen,  weil  Rothschild  ihnen
mit  seinem  Antrag  zuvorgekommen  war.  Moses  Joseph  wiederholte
sein  Gesuch  auch  im  folgenden  Jahre  vergebens.  Selbst  ein  Bethmännischer
  Antrag  vom  November  1805  wurde  abgelehnt,  zumal
das  darin  enthaltene  Anerbieten,  beim  dänischen  Hof  eine  besondere
Prämie  von  2  bis  2*/,°/o  zu  erwirken,  höheren  Orts  als  höchst
unschicklich  erachtet  wurde 49 .
Rothschild  war  klug  und  suchte  seine  dänisch-hessischen
Finanzgeschäfte  vor  den  Frankfurter  Bankiers  möglichst  geheim
zu  halten.  Es  gelang  das  aber  nicht  ganz,  und  die  Eifersucht
wurde  wach.  Als  die  sechste  und  siebente  dänische  Anleihe  abgeschlossen ­
  und  im  Gange  war,  bewarben  sich  die  Gebr.  Bethmann
ebenfalls  um  eine  Anleihe.  Lawätz  schreibt  darüber  unterm  2.  Juli
1806  an  Buderus:  „Ich  bitte  ihm  (Rothschild)  gewogentlich  anzuzeigen, ­
  daß  die  neue  dänische  Anleihe  bei  Bethmann,  welche  man
absichtlich  in  Kopenhagen  für  mich  cachirt  zu  haben  scheinet,  sich
ganz  richtig  bestätiget.  Man  schreibt  mir  zugleich,  daß  man  es
diesem  alten  Bethmannschen  Hause,  welches  sich  hintangesetzt
hielt,  nicht  hat  abschlagen  können;  und  ich  merke  wohl,  daß  diejenigen, ­
  welche  unserem  braven  Rothschild  nicht  gut  sind,  versprochen
haben,  daß  diese  Bethmannsche  Anleihe  weniger  kosten  und  schneller
berichtigt  sein  würde  wie  die  Rothschild’sche.  Um  diesem  letzteren
von  meiner  Seite  möglichst  zu  widersprechen,  werde  ich  den  ganzen
Rest  der  Anleihe  noch  heute  berichtigen  und  den  Schluß-Rimessen
von  dort,  auf  dero  Beistand  mich  verlaßend,  ruhig  entgegen  sehen.
            
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