Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

des  Kurfürsten  Briefe  an  Buderus  regelmäßig  unter  Rothschilds
Adresse.  Zeitweise  hatte  Lawätz  für  Einlagen  an  Johannes  Adler
täglich  5  bis  6  Rtlr.  Porto  auszugeben  10 °.  Auch  gingen  Pakete  für
den  Kurfürsten  durch  seine  Vermittlung.  Hatte  er  Briefe  nach  Kassel
zu  übermitteln,  so  sandte  er  sie  unter  der  Adresse  Michel  Simons,
gingen  solche  an  die  van  Hotten  in  London,  so  wurden  sie  an  die
Firma  Ryberg  &  Comp,  in  Kopenhagen  geschickt,  die  sie  weiter
beförderte.  Auch  Wechsel  auf  London  übergab  Lawätz  dieser  Firma
zum  Verkauf.
Dann  und  wann  begab  sich  Buderus  nach  Schleswig,  um  sich
persönlich  mit  dem  Kurfürsten  zu  benehmen.  In  der  Regel  aber
übernahm  es  Meyer  Amschel  Rothschild  oder  sein  Sohn  Carl  Mayer
oder  auch  ein  vertrauter  Angestellter  des  Rothschildschen  Bankhauses, ­
  nach  Schleswig-Holstein  und  später  nach  Prag  zu  reisen,
um  dem  Kurfürsten  Bericht  zu  erstatten,  Aufträge  von  ihm  entgegenzunehmen ­
  und  Übermittlungen  der  verschiedensten  Art  auszuführen.
Beim  Verkehr  mit  Prag  hatte  man  zu  dem  Zweck  einen  Wagen
mit  einem  Geheimfach.  Die  Obligationen  und  Kupons  gingen  regelmäßig ­
  in  unversiegelten  Paketen  hin  und  her.  Rothschilds  vierter
Sohn  Carl  Mayer  war  während  des  Exils  fast  ununterbrochen  auf
Reisen,  und  zwar  größtenteils  für  den  Kurfürsten.  Im  Jahr  1812
wünschte  dieser,  daß  einer  der  Rothschildschen  Söhne  sogar  dauernd
seinen  Aufenthalt  in  Prag  nehmen  solle.  Diesem  Wunsche  konnte
jedoch  nicht  entsprochen  werden,  zumal  der  Vater  Rothschild  damals
schon  seit  längerer  Zeit  leidend  war  l01 .
Eigentliche  Depots  hatte  Buderus  nicht.  Er  hatte  in  der  Regel
nur  Akten  in  Händen,  und  diese  hielt  er  an  verschiedenen  Orten
verborgen,  z.  B.  auf  seinem  Gute  Carlshausen,  aber  auch  an  einem
ziemlich  weit  davon  entfernten  Platz 102 .  Auch  Lawätz  hatte  von
Obligationen  nur  die  wenigen  Pakete  in  Verwahrung,  die  Buderus
ihm  zur  Zeit  der  Ratlosigkeit  des  Kurfürsten  anvertraut  hatte.
Vielmehr  war  das  Bestreben  des  letzteren  darauf  gerichtet,  Obligationen, ­
  Kupons  und  Wertsachen  in  seinem  Domizil  zusammenzuziehen. ­
  Die  Nominal-  und  Partialobligationen,  die  auf  Roest
verborgen  lagen,  wurden  noch  im  November  1806  von  dort  nach
Schleswig  geschafft 103 .  Wir  haben  gesehen,  daß  Lennep  alsdann
im  März  1807  zwei  Kasten  mit  Pretiosen  dem  Kurfürsten  zuführte.
Eine  Kiste  mit  Kupons,  die  in  den  Transport  an  Freye  <6  Jordis  in
Frankfurt  geraten  war  (Nr.  19)  wurde  am  26.  April  1807  ebenfalls
            
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