Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

möge  dem  Kaiser  gegenüber  nicht  zu  stark  sein  Recht  betonen,
sondern  demütig  bitten.  Dalberg  hatte  sich  auf  Rothschilds  Fürbitte ­
  bereits  für  den  Kurfürsten  verwendet  und  das  Versprechen
gegeben,  auch  bei  der  Kaiserin,  deren  Ankunft  in  Frankfurt  damals
kurz  bevorstand,  alles  Mögliche  zu  dessen  Nutzen  anzuwenden.
Auch  die  von  Lagrange  geforderte  Kontribution  von  6  Millionen  Livres
glaubte  Meyer  Amschel  durch  seinen  Einfluß  ermäßigen  zu  können,
da  er  vom  Fürsten  Primas  an  alle  Marschälle  und  Minister  gut
empfohlen  sei 119 .  Diese  Bemühungen  blieben  ohne  Erfolg.  Meyer
Amschel  aber  ging  unentwegt  weiter.  Um  in  der  Nähe  des  Kurfürsten ­
  zu  sein,  richtete  er  sich  im  Sommer  1807  in  Hamburg  ein
Wechselkontor,  d.  h.  eine  Art  Filiale  ein  und  besuchte  von  dort
aus  den  Fürsten  häufig  in  Itzehoe.  Auch  benutzte  er  die  Gelegenheit, ­
  um  in  Hamburg  eine  große  Masse  baumwollene  Waren  anzukaufen ­
  12 °.  Sein  Aufenthalt  in  der  norddeutschen  Handelsstadt
dehnte  sich  bis  in  das  Jahr  1808  aus,  und  so  erklärt  es  sich,  daß
er  bei  der  Abreise  des  Kurfürsten  nach  Karlsbad  Effekten  desselben ­
  zur  Aufbewahrung  in  Hamburg  erhielt.  Das  war  am  15.  Juli.
Damals  erkrankte  Rothschild  heftig,  und  dies  mag  der  Grund  gewesen ­
  sein,  weshalb  die  Ablieferung  der  Effekten  sich  ein  halbes
Jahr  hinauszog m .
Auch  mehrere  Kisten  mit  Medaillen  waren  dem  alten  Rothschild
anvertraut,  und  wurden  von  ihm  bis  zum  Herbst  des  Jahres  1808
aufbewahrt.  Im  November  dieses  Jahres  reiste  er  auf  Befehl  des
Kurfürsten  nach  Hamburg,  um  die  Kisten  zu  holen  und  an  Buderus
abzuliefern.  Zweifellos  enthielten  diese  Kisten  das  von  den  Franzosen ­
  zurückgekaufte  Medaillenkabinett  (s.  o.  S.  11  f.).  Buderus  hatte
damals  die  Absicht,  die  Kisten  entweder  in  Frankfurt  oder  bei  dem
Obereinnehmer  Herpell  in  St.  Goarshausen  unterzubringen.  Jedenfalls ­
  gingen  sie  nicht  in  das  Refugium  des  Kurfürsten  122 .  Ein  Rest
von  Archivalien,  z.  B.  zur  Kriegskasse,  eine  Reihe  hessischer  Nominalobligationen ­
  und  eine  Kiste  mit  Silber  befanden  sich  aber  auch  jetzt
noch  in  Gottorf,  und  erst  im  März  1810  wurde  Buderus,  der  dorthin
reisen  wollte,  beauftragt,  die  sichere  Verbringung  dieser  Effekten
nach  Prag  zu  veranlassen.  Natürlich  sollte  Rothschild  sich  dieser
Aufgabe  unterziehen,  er  war  ja  in  solchen  Dingen  die  letzte  Zuflucht.
Die  Sache  kam  ihm  aber  sehr  ungelegen,  der  Kurfürst  mußte  warten,
zuletzt  riß  ihm  die  Geduld  und  im  August  1811  entschloß  er  sich,
die  Sachen  unmittelbar  einzuholen m .
            
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