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Das geschah jedoch nicht, und Buderus erblickte darin ein Zeichen
des Mißtrauens in seine Geschäftsführung. In diesem Sinne schrieb
er dem Kurfürsten, als ihm der Sachverhalt aufgegangen war.
Er fürchtete Intriguen von seiten der Rüppell & blamier: „Sind
Insinuationen verruchter Menschen, deren Gewinnsucht meine
Anhänglichkeit an Ew. Kurfürstl. Durchlaucht nicht sättigen konnte
und durfte, geschehen, so muß ich es innigst bedauern, daß 31jährige
mit Entsagung auf jeden Lebensgenuß geleistete Dienste, welche
Ew. Kurfürstl. Durchlaucht durch geheim und öffentlich angestellte
Controleurs, durch im Stillen vom geheimen Staatsminister von Meyer
angestellte Nachforschungen und auf tausenderlei Weise haben
prüfen lassen, nicht den Eingang untunlich gemacht haben.“ 137
Auf dieses Schreiben sandte der Kurfürst eine Abschrift des für
Lennep ausgefertigten Reskriptes und versicherte Buderus seines
ungeschwächten Vertrauens: „Insinuationen gegen denselben finden
nicht Statt und können auch bei Meiner Denkungsart und der
Gesinnung derer, die Mich umgeben, nicht Statt finden.“ 138 Indes
blieb das Verhältnis zu Lennep von jetzt ab gestört, und dieser
war unklug genug, es stetig zu verschlechtern. Er und die Roth
schild kamen geschäftlich nicht miteinander aus, besonders dann
nicht, wenn die Rothschild auf sein Geheiß Zahlungen an den
Fürsten von Wittgenstein leisten sollten und damit zögerten. Lennep
nahm infolgedessen fortgesetzt eine drohende Haltung gegen die
Rothschild an. Er übersah, daß sie durch ihr entschlossenes und
rückhaltloses Eintreten für den Kurfürsten den Rüppell & Harnier
zuvorkommen mußten. Auch hinderte er nicht oder merkte er
nicht, daß seine Schützlinge die gänzlich verfehlte Taktik ein
schlugen, sich in der Zeit der Not und Gefahr dem Kurfürsten
gegenüber höchst zweideutig aufzuführen. Sie wurden infolgedessen
sehr bald fallen gelassen, nur vermied man es, sie irgendwie zu
reizen. Auch Lennep selbst, der zwar vom besten Willen beseelt
war, aber nicht entfernt die Fähigkeit für Geldgeschäfte wie Buderus
besaß, erhielt außer dem Geschäft mit den Lombardobligationen
und der Verwahrung seiner sonstigen Depots keine weiteren Auf
träge vom Kurfürsten. Nach und nach wurden ihm auch die Depots
wieder abgenommen. Die Kupons holte, wie gesagt, im November 1807
der Kriegsrat Schmincke. Alle noch in seinem Besitz befindlichen
Staatspapiere verlangte der Kurfürst im Frühjahr 1811 zu wieder
holten Malen zurück. Im Juli wurde diesem Auftrag im wesentlichen