Full text : Meyer Amschel Rothschild, der Gründer des Rothschildschen Bankhauses

88

Das  geschah  jedoch  nicht,  und  Buderus  erblickte  darin  ein  Zeichen
des  Mißtrauens  in  seine  Geschäftsführung.  In  diesem  Sinne  schrieb
er  dem  Kurfürsten,  als  ihm  der  Sachverhalt  aufgegangen  war.
Er  fürchtete  Intriguen  von  seiten  der  Rüppell  &  blamier:  „Sind
Insinuationen  verruchter  Menschen,  deren  Gewinnsucht  meine
Anhänglichkeit  an  Ew.  Kurfürstl.  Durchlaucht  nicht  sättigen  konnte
und  durfte,  geschehen,  so  muß  ich  es  innigst  bedauern,  daß  31jährige
mit  Entsagung  auf  jeden  Lebensgenuß  geleistete  Dienste,  welche
Ew.  Kurfürstl.  Durchlaucht  durch  geheim  und  öffentlich  angestellte
Controleurs,  durch  im  Stillen  vom  geheimen  Staatsminister  von  Meyer
angestellte  Nachforschungen  und  auf  tausenderlei  Weise  haben
prüfen  lassen,  nicht  den  Eingang  untunlich  gemacht  haben.“ 137
Auf  dieses  Schreiben  sandte  der  Kurfürst  eine  Abschrift  des  für
Lennep  ausgefertigten  Reskriptes  und  versicherte  Buderus  seines
ungeschwächten  Vertrauens:  „Insinuationen  gegen  denselben  finden
nicht  Statt  und  können  auch  bei  Meiner  Denkungsart  und  der
Gesinnung  derer,  die  Mich  umgeben,  nicht  Statt  finden.“ 138  Indes
blieb  das  Verhältnis  zu  Lennep  von  jetzt  ab  gestört,  und  dieser
war  unklug  genug,  es  stetig  zu  verschlechtern.  Er  und  die  Rothschild ­
  kamen  geschäftlich  nicht  miteinander  aus,  besonders  dann
nicht,  wenn  die  Rothschild  auf  sein  Geheiß  Zahlungen  an  den
Fürsten  von  Wittgenstein  leisten  sollten  und  damit  zögerten.  Lennep
nahm  infolgedessen  fortgesetzt  eine  drohende  Haltung  gegen  die
Rothschild  an.  Er  übersah,  daß  sie  durch  ihr  entschlossenes  und
rückhaltloses  Eintreten  für  den  Kurfürsten  den  Rüppell  &  Harnier
zuvorkommen  mußten.  Auch  hinderte  er  nicht  oder  merkte  er
nicht,  daß  seine  Schützlinge  die  gänzlich  verfehlte  Taktik  einschlugen, ­
  sich  in  der  Zeit  der  Not  und  Gefahr  dem  Kurfürsten
gegenüber  höchst  zweideutig  aufzuführen.  Sie  wurden  infolgedessen
sehr  bald  fallen  gelassen,  nur  vermied  man  es,  sie  irgendwie  zu
reizen.  Auch  Lennep  selbst,  der  zwar  vom  besten  Willen  beseelt
war,  aber  nicht  entfernt  die  Fähigkeit  für  Geldgeschäfte  wie  Buderus
besaß,  erhielt  außer  dem  Geschäft  mit  den  Lombardobligationen
und  der  Verwahrung  seiner  sonstigen  Depots  keine  weiteren  Aufträge ­
  vom  Kurfürsten.  Nach  und  nach  wurden  ihm  auch  die  Depots
wieder  abgenommen.  Die  Kupons  holte,  wie  gesagt,  im  November  1807
der  Kriegsrat  Schmincke.  Alle  noch  in  seinem  Besitz  befindlichen
Staatspapiere  verlangte  der  Kurfürst  im  Frühjahr  1811  zu  wiederholten ­
  Malen  zurück.  Im  Juli  wurde  diesem  Auftrag  im  wesentlichen
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.