Full text : Finanzwissenschaft

XII.  Abschnitt.  Ausgaben  für  Heer,  Flotte  und  Krieg.  129
hängnisvollste.  Nur  innerhalb  dieser  Grenzen  kann  und  darf  die
Minderung  der  Ausgaben  angestrebt  werden.
Obwohl  die  Vorbedingungen  der  Staatenbildung  in  verschiedenen
Perioden  sich  verschieden  gestalten,  können  doch  namentlich  folgende ­
  Momente  als  diejenigen  bezeichnet  werden,  die  auf  die  Kosten
der  Landesverteidigung  besonderen  Einfluß  ausüben :  1.  die  Größe
des  zu  sichernden  Staatsgebietes;  2.  Größe,  Wichtigkeit  und  kriegerischer ­
  Geist  der  Bevölkerung;  3.  die  Lage  und  Konfiguration  des
Staates,  seine  Verteidigungsfähigkeit,  Vorhandensein  von  natürlichen
Grenzen  (Gebirge,  Flüsse,  Seen,  Meer)  resp.  strategischen  Grenzen;
4.  die  politischen  Verhältnisse,  die  nationalen  Aspirationen  (Kulturoder ­
  Machtcharakter,  offensiver  oder  defensiver  Charakter);  5.  das
Verhältnis  zu  den  Nachbarstaaten  („Es  kann  der  bravste  Mann  nicht
ruhig  leben,  wenn  es  dem  bösen  Nachbar  nicht  gefällt“  Teil);
6.  System  und  Technik  der  Kriegsführung;  7.  Charakter  des  Wehrsystems ­
  (Söldnerheer,  stehendes  Heer,  Volksheer,  Milizsystem);
8.  die  wirtschaftlichen  Verhältnisse  des  Staates;  9.  das  Heeresbudget
der  übrigen  Staaten.
Der  Weltkrieg  hat  manche  Winke  gegeben,  wie  in  Zukunft
an  den  Heeresausgaben  gespart  werden  kann.  Die  Ausbildungszeit ­
  der  an  die  Front  gesandten  Soldaten  ist  außerordentlich  abgekürzt ­
  worden,  auf  wenige  Monate.  Es  läßt  sich  aber  nicht  weiter
die  Möglichkeit  bestreiten,  daß  die  Dienstzeit  außerordentlich  abgekürzt ­
  werden  kann.  Freilich  steht  dem  der  Umstand  gegenüber,
daß  die  technischen  Einrichtungen  in  einer  Weise  entwickelt  werden,
daß  die  Kosten  ins  Fabelhafte  steigen.  Die  42-Zentimeter-Geschütze
verursachen  bei  jedem  Schuß  in  die  Tausende  steigende  Ausgaben.
Die  Anschaffungskosten  des  Kriegsgutes  ist  in  einzelnen  Staaten
infolge  von  Mißbräuchen  katastrophenartig  gestiegen.  Die  Anforderungen ­
  an  die  Versorgung  der  Mannschaft  werden  gewiß  im
Frieden  noch  weiter  steigen  und  könnten  nur  dadurch  wettgemacht
werden,  daß  das  Heer  im  Frieden  der  friedlichen  Arbeit  sich
widmen  würde,  eine  Idee,  der  wir  schon  bei  den  Schülern
St.  Simons,  namentlich  Michel  Chevalier,  begegnen.
Ansonst  wird  im  Interesse  der  Herabsetzung  der  Heereslasten
namentlich  auf  folgendes  hingewiesen :  1.  Scheidung  der  Landwehr
vom  stehenden  Heere;  2.  Herabsetzung  der  Zahl  der  Offiziere;
3.  minimale  Festsetzung  der  Friedensstärke;  4.  Herabsetzung  der
Dienstzeit;  5.  Verhütung  der  Mißbräuche  bei  Anschaffung  der
Heeresbedürfnisse.
Bei  Beurteilung  der  Aufwendung  für  Heereszwecke  vergißt
man  oft  daran,  daß  das  Heer  direkt  oder  indirekt  neben  der  Landes-Foldes,
  Finanzwissenschaft,  2
            
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