Full text : Finanzwissenschaft

130

3.  Buch.  Die  Staatsausgaben.

Verteidigung  auch  andere  Staatszwecke  befördert.  Wir  wollen  nur
einige  anführen :  1.  Das  Heer  dient  nicht  nur  zur  Aufrechterhaltung ­
  der  äußern,  sondern  auch  der  innern  Rechtsordnung  und
Sicherheit,  ein  Teil  der  Kosten  müßte  also  von  Rechtswegen  auf
das  Polizeibudget  geschrieben  werden.  2.  Das  Heer  dient  als  symbolischer ­
  Ausdruck  der  Macht  und  Stärke  des  Staates  und  hat  so
seinen  latenten  Nutzen  in  der  Abwehr  von  etwaigen  Attentaten,
es  leistet  demnach  präventive  Dienste  (si  vis  pacem,  para  bellum).
3.  Das  Heer  befördert  die  physische  Entwicklung  der  Jugend.
4.  Das  Heer  ist  für  einen  großen  Teil  der  Bevölkerung  eine  nützliche ­
  Bildungsanstalt,  welche  allgemeine  und  fachliche  Kenntnisse
befördert  und  Fähigkeiten  entwickelt.  5.  Die  mit  der  Kriegführung
zusammenhängenden  Wissenschaften,  Geographie,  Technik,  Chemie,
Physik,  Geschichte,  werden  gefördert  (wissenschaftliche  Institute,
militärische  Schulen,  Sammlungen,  Expeditionen,  Laboratorien  usw.).
Im  Weltkriege  wurden  kriegswissenschaftliche  Sektionen  in  den
Kriegsministerien  organisiert  und  in  der  Tat  hat  die  Heeresverwaltung ­
  sich  für  die  verschiedensten  wissenschaftlichen  Probleme
—  vielleicht  manchmal  sogar  mit  übertriebenem  Eifer  —  befaßt.
6.  Große  Wichtigkeit  hat  das  Heer  infolge  seiner  vielfältigen  Bedürfnisse ­
  für  die  Hebung  der  Produktion  und  namentlich  der  Industrie; ­
  der  sichere  Absatz  ist  ein  wichtiges  industriefördemdes
Moment.  Die  Militärverwaltung  hat  wichtige  Erfindungen  angeregt,
hat  zu  allen  Zeiten  der  Vervollkommnung  der  Kommunikation  große
Aufmerksamkeit  zugewendet,  hat  sich  für  die  soziale  Fürsorge  und
für  den  sozialen  Frieden  interessiert  usw.  Diesen  durch  das  Heer
gebotenen  indirekten  Vorteilen  stehen  aber  auch  manche  Nachteile
gegenüber:  1.  Ein  großer  Teil  und  zwar  der  produktivste  Teil  der
Bevölkerung  wird  der  produktiven  Tätigkeit  entzogen.  2.  Die  in
den  Reihen  der  Soldaten  auftretenden  Krankheiten  werden  oft  nach
ihrer  Rückkehr  in  die  Heimat  zu  einer  allgemeinen  Gefahr.  3.  Die
Reibungen  zwischen  Militär  und  Zivil  erschüttern  oft  den  bürgerlichen ­
  Frieden  und  gefährden  die  friedliche  Zusammenwirkung  der
sozialen  Schichten.  4.  Die  Gefahren  des  sogenannten  Militarismus,  wie
die  politischen  Aspirationen  der  Heeresangehörigen,  die  sogenannte
Soldateska,  Boulangismus,  oder,  wie  sich  die  Entente  liebenswürdig
ausdrückt,  die  Hunnengefahr,  endlich  alle  verschiedenen  Erscheinungen ­
  des  zur  Übermacht  gewordenen  Militärstandes.
Was  insbesondere  den  Einfluß  der  Heeresverfassung  auf  die
Kosten  der  Heeresverwaltung  betrifft,  so  ist  hier  vor  Augen  zu
halten,  daß  jeder  Vergleich  hinkt,  da  die  Verhältnisse  zu  verschieden ­
  sind.  Das  freiwillig  angeworbene  englische  Heer  war  kost-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.